Forum Justizvollzug 2019

Wie gesund ist Justizvollzug? 27. und 28. November 2019, Bern

In Zusammenarbeit mit der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte, dem Forum der Gesundheitsdienste des schweizerischen Justizvollzugs, der Schweizerischen Gesellschaft für forensische Psychiatrie, der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz sowie mit der fachlichen Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit.

Thema der Tagung

Das zweite Forum des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug SKJV ist der Gesundheit gewidmet. Es geht um die psychische und physische Gesundheit von inhaftierten und strafverurteilten Personen sowie um die Gesundheit der Mitarbeitenden im Justizvollzug. Dabei stehen die Förderung eines gesunden Anstaltsklimas genauso im Fokus der Tagung wie Fragen zur optimalen Gesundheitsversorgung. Will man dem Äquivalenzprinzip entsprechen, sollte «drinnen» – im Freiheitsentzug – die gleiche medizinische Versorgung zur Verfügung stehen wie «draussen» – in Freiheit. Aber: Was bedeutet das für die Praxis? Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeitenden im Justizvollzug, eine optimale, evidenzbasierte somatische und psychiatrische Gesundheitsversorgung im stationären und ambulanten Bereich zu gewährleisten? In Referaten und Workshops wird aus unterschiedlichen Perspektiven auf ausgewählte praxisrelevante Aspekte der Gesundheitsversorgung und der Förderung von Gesundheit in diesem Praxisfeld eingegangen. Das diesjährige Forum Justizvollzug bietet den Teilnehmenden Zeit und Raum für Vernetzung, Fachaustausch und Diskussionen, um den Handlungsbedarf zu benennen und Lösungsvorschläge zu formulieren. Im Plenum und in den über 20 Workshops präsentieren Fachleute bewährte und neue Konzepte und Herangehensweisen. Anhand von Posters werden die gesundheitsspezifischen Bildungsangebote des SKJV vorgestellt. Auch Kooperationspartner und Forschende stellen in diesem Rahmen ihre Projekte vor. Das Forum richtet sich an Mitarbeitende aus allen Bereichen und Professionen des Justizvollzugs, an Forschende, an Personen, die in Hochschulen tätig sind und an Entscheidungsträger aus Behörden und Politik.

Organisatorisches

Anmeldung

Informationen zum Gebrauch des geschützten Bereichs für die Anmeldung finden Sie hier. Bitte melden Sie sich hier bis Ende September zur Tagung und zu den Workshops an. Hinweis: Die Zahl der Teilnehmenden ist aufgrund der Kapazität der Räumlichkeiten auf 250 beschränkt.

Tagungskosten

Normaltarif: CHF 270.00
Studierendentarif: CHF 170.00 (mit Legi)
Inbegriffen sind die Kaffeepausen, der Apéro vom 27. November und das Mittagessen vom 28. November. Sie erhalten nach der erfolgten Anmeldung eine Rechnung.

Annulation

Im Falle einer Verhinderung informieren Sie uns bitte schriftlich via E-Mail events@skjv.ch. Bitte beachten Sie, dass Ende Oktober die Kosten nicht zurückerstattet werden können.

Tagungsort

Kongresszentrum Weltpostverein
Weltpoststrasse 4
3015 Berne

Tagungssprache

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Alle Referate und die Podiumsdiskussion am Donnerstag erfolgen mit Simultanübersetzung auf Deutsch und Französisch. Am Mittwochnachmittag erfolgt zusätzlich im Plenum eine Simultanübersetzung vom Englischen ins Französische und Deutsche und vice-versa. Nur einige der Workshops werden mit Simultanübersetzung (Deutsch und Französisch) angeboten.

Tagungsmoderation

Dominik Büchel, advocacy ag

Unterkunft

Kontakt

Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug
Avenue de Beauregard 11
1700 Freiburg
Barbara Bradi, +41 26 425 44 05
events@skjv.ch
 

Programm Mittwoch 27.11.2019

Empfang und Begrüssungsdrink
Begrüssung
  • Philippe Müller, Regierungsrat des Kantons Bern
  • Patrick Cotti, Direktor, Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug SKJV 
  • Andrea Arz de Falco, Vizedirektorin, Leiterin Öffentliche Gesundheit, Bundesamt für Gesundheit BAG
Einführung in die Tagung
  • Peter Menzi, wissenschaftlicher Mitarbeiter Leistungsbereiche Praxis SKJV
  • Laura von Mandach, Leiterin Fachwissen und Analyse SKJV
Can prisons be «healthy»?
  • Alison Liebling, Professor of Criminology and Criminal Justice – Director of the Prisons Research Centre - Director of the Ph.D. Programme, University of Cambridge
Fragerunde
Gesundheitsversorgung im Gefängnis: was ist wichtig?
  • Hans Wolff, Professor und Chefarzt der gefängnismedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals HUG, Präsident der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte KSG und Mitglied des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter CPT im Namen der Schweiz
  • Beatrice Willen, Pflegefachfrau HF, Präsidentin des Forums der Gesundheitsdienste des schweizerischen Justizvollzugs
Fragerunde
Pause
Psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen im Schnelldurchlauf
  • Simone Hänggi, Leitende Ärztin der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland und Mitglied des Vorstands der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte KSG
Qualifizierung und Belastung in der Forensischen Psychiatrie
  • Philippe Delacrausaz, médecin adjoint, Responsable du Centre d’Expertises à l’Institut de Psychiatrie légale IPL, DP-CHUV, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für forensische Psychiatrie SGFP
Fragerunde
Schluss Plenum

Programm Donnerstag 28.11.2019

Posterfrühstück mit Kaffee und Gipfeli
Was wissen wir über das soziale Klima in Schweizer Anstalten des Straf- und Massnahmenvollzugs? Unterschiede in der Wahrnehmung von Personal und Gefangenen
  • Ueli Hostettler, Leiter Prison Research Group, Universität Bern, Institut für Strafrecht und Kriminologie
Fragerunde
Ausschaffung von Inhaftierten afrikanischer Herkunft nach dem Massnahmenvollzug:die Herausforderungen
  • Rigobert Hervais Kamdem, Leitender Arzt, Zentrum für forensische Psychiatrie, Freiburg

Workshops Mittwoch 27.11.2019, 17 Uhr

Justizvollzugs- und Gesundheitspersonal: Welche Hilfsmittel sind nötig, um die konstruktive Zusammenarbeit zu fördern?

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Hans Wolff, Professor und Chefarzt der gefängnismedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals HUG, Präsident KSG und Mitglied CPT im Namen der Schweiz
  • Nicolas Peigné, infirmier responsable d‘équipe de soins, Service de médecine pénitentiaire, Hôpitaux Universitaires de Genève HUG
  • Diane Golay, Responsable des Psychologues, Service de médecine pénitentiaire, Hôpitaux Universitaires de Genève HUG
  • Alexandre Maggiacomo, Directeur adjoint, Prison de Champ-Dollon
  • Thierry Fridez, gardien-chef, Chef d’Etat-major, Prison de Champ-Dollon

Das Gefängnis Champ-Dollon ist ein Hochsicherheitsgefängnis für Untersuchungsgefangene, in dem alle Haftformen vollzogen werden (Untersuchungshaft, Straf- und Massnahmenvollzug). Es ist chronisch überbelegt und zeichnet sich durch eine absolute Unabhängigkeit der Gesundheitsversorgung von den Justizvollzugsbehörden aus. Die Betreuung von inhaftierten Patientinnen und Patienten mit manchmal äusserst komplexen gesundheitlichen Problemen kann die Teams vor Schwierigkeiten stellen und zu Spannungen zwischen den Gesundheits- und den Justizvollzugsverantwortlichen führen, da deren Aufgaben und Herausforderungen sich manchmal diametral entgegenstehen. In diesem Workshop möchten wir unsere gemeinsamen Überlegungen präsentieren sowie die Hilfsmittel vorstellen, die in der Einrichtung eingeführt wurden, um eine konstruktive interdisziplinäre Art der Zusammenarbeit zu fördern, die geprägt ist von einem partnerschaftlichen Umgang und gegenseitigem Vertrauen.

Evaluation der Medikamentenabgabe im Gefängnis mittels persönlicher Medikamentenfächer
Psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen: Was soll das, was ist das und wie viel davon braucht es? Ein Versuch, Missverständnisse aller Art aufzuklären

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Simone Hänggi, Leitende Ärztin der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland und Mitglied des Vorstands der KSG

Sowohl Körper als auch Geist sind gleichermassen von Krankheit betroffen und die medizinische Versorgung erfasst darum immer sowohl somatische als auch psychische Leiden. Die Behandlung psychischer Erkrankungen ist das Fachgebiet von Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat im Januar 2016 im Auftrag der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren KKJPD die «Empfehlungen zur Psychiatrischen Versorgung im Freiheitsentzug» formuliert. Die Referentin war Mitglied dieser Arbeitsgruppe. Im Workshop wird sie ausführlich erklären, worauf die psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen abzielt, wie sie abläuft, wie sie einfach organisiert werden kann, was die Besonderheiten psychiatrischer Versorgung bei inhaftierten Personen sind und wie sich die psychiatrische Versorgung und Behandlung im Strafvollzug von den Interventionen im Massnahmenvollzug unterscheidet.

Falls Sie sich fragen, was Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie eigentlich mit den Inhaftierten im Straf- und Massnahmenvollzug machen, finden Sie hier Antworten.

Qualifizierung und Belastung in der Forensischen Psychiatrie

Vertiefung Referat Plenum

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Philippe Delacrausaz, médecin adjoint, responsable du Centre d’expertises à l’Institut de psychiatrie légale IPL, DP-CHUV, Président de la SSPF

Seit 2014 existiert in der Schweiz ein Fachtitel in Forensischer Psychiatrie und Psychotherapie, den Psychiatrie-Fachleute nach Absolvierung einer anspruchsvollen, spezifischen praktischen und theoretischen Weiterbildung erwerben können. Die national einheitlichen Anforderungen sollen die Gleichwertigkeit der Weiterbildung im Bereich der Begutachtung und der Betreuung von Gefangenen mit psychischen Erkrankungen oder Personen im Massnahmenvollzug in allen Sprachregionen sicherstellen. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit den Gründen für die Entwicklung dieses Fachtitels und erläutert die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit eine berufliche Tätigkeit in diesem Bereich ins Auge gefasst werden kann. Ausserdem geht er auf die spezifischen Schwierigkeiten ein, mit denen Berufsleute im Kontext der Justiz und des Justizvollzugs konfrontiert sind und die momentan dazu führen, dass deutlich zu wenig Psychiaterinnen und Psychiater eine Tätigkeit in diesem Umfeld anstreben.

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Gesundheit der Mitarbeitenden stärken: Was wir aus dem Gesundheitspakt des Berliner Justizvollzugs lernen können

imultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Kristin Herold, Referentin für strategisches Gesundheitsmanagement Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Berlin
  • Christina Hansen, Referatsleiterin des Bereiches III B u.a. für Personal- und Organisationsmanagement/Senatsrätin, Berlin 
  • Reto Kälin, Leiter Partner Relations, Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz

Können in einem geschlossenen System wie dem Justizvollzug überhaupt gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden? Die Herausforderungen sind zahlreich, insbesondere angesichts der veränderten Zusammensetzung der Mitarbeitenden, dem steigenden Altersdurchschnitt und den belastentenden Arbeitsbedingungen. Mit dem «Gesundheitspakt des Berliner Jusitzvollzugs» soll der Veränderungsprozess gelingen. Wie geht das?
Der Workshop bietet Einblick in den «Gesundheitspakt» des Berliner Justizvollzuges. Nach einer kurzen Erläuterung der Strategie werden Best Practice-Beispiele vorgestellt. Die anwesenden Expertinnen und Experten werden in der Folge Teil eines kreativen Denkprozesses. Ziel ist es Möglichkeiten einer gelingenden Gesundheitsmanagement in den Justizvollzugsanstalten in Berlin und im Schweizer Freiheitsentzug in Erfahrung zu bringen, zu vergleichen und dabei auch konkrete Massnahmen einer optimalen Förderung und Management der Gesundheit der Mitarbeiten nach Hause mitnehmen zu können.  

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Sich im Gefängnis sicher tätowieren lassen: das Tattoo-Projekt aus Luxemburg

Gesundes Gefängnis – Förderung der Gesundheitskompetenz durch Bewegung

Auf Deutsch
 

  • Samuel Maurer, Projekt-, Kursleiter & Berater Betriebliches Gesundheitsmanagement, Bewegtes Lernen & Bildung im Strafvollzug, Dozent ETH Zürich
  • Mathias Marending, Master of science EHSM in Sports, Sportlehrer JVA Witzwil, Fachmann für Justizvollzug

Die Gesundheitskompetenz ist eine wichtige Fähigkeit für ein selbständiges Leben. Dabei geht es nicht nur um Bewältigung von Krankheiten, sondern auch um gesundheitsförderliches Verhalten (Stressregulation, körperliche Fitness, Ernährungsverhalten, etc). Die Förderung von gesundheitsförderlichem Verhalten macht im Freiheitsentzug aus mehreren Gründen Sinn: Einerseits können Krankheitskosten gesenkt werden, andererseits leisten pädagogische Gesundheitsangebote einen massgeblichen Beitrag zur Resozialisierung und schliesslich können durch Angebote – sowohl für Mitarbeitende als auch Gefangene – massgeblich gesündere Lebens- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
Der Workshop soll konkrete Anregungen dazu geben, mit welchen pädagogischen und betrieblichen Konzepten die Gesundheitskompetenz von Mitarbeitenden und Gefangenen im Justizvollzug gefördert werden können – für ein gesundes Gefängnis.

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SAPROF-Youth Version: Erfassung von Schutzfaktoren für das Gewaltrisiko bei Jugendlichen

Auf Deutsch
 

  • Cyril Boonmann, Projektkoordinator JAEL, Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Das Structured Assessment of Protective Factors for violence risk-Youth Version SAPROF-YV (De Vries Robbé et al., 2014) ist ein Beurteilungsinstrument zur Erfassung von Schutzfaktoren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es handelt sich um ein Structured Professional Judgment SPJ, eine Checkliste, die zusammen mit überwiegend risikoorientierten Instrumenten für Jugendliche verwendet werden kann. 

Das SAPROF-YV wurde nach dem internationalen Erfolg des ursprünglichen SAPROF für Erwachsene entwickelt. Zusätzlich zu den bereits in anderen Instrumenten bewerteten Risikofaktoren soll das SAPROF-YV durch eine spezifische, vertiefte Bewertung von Schutzfaktoren den Prozess der Einschätzung des Gewaltrisikos ergänzen, um eine ausgewogenere Bewertung des zukünftigen Gewaltrisikos zu ermöglichen. Die 16 dynamischen Faktoren des SAPROF-YV können bei der Fallformulierung, der Festlegung positiver Behandlungsziele, der Bewertung des Behandlungsfortschritts hilfreich sein und zu einer gut informierten Risikokommunikation beitragen. Die Schutzfaktoren ermöglichen einen positiveren Umgang mit Gewaltprävention. 

Der Workshop konzentriert sich auf den Wert von Schutzfaktoren für Jugendliche in der Behandlungspraxis. Die Teilnehmenden werden in das SAPROF-YV eingeführt und erhalten Einblick in die praktische Anwendung des Tools. Implikationen für die Risikobewertung und das Risikomanagement werden diskutiert sowie vorläufige Forschungsergebnisse zum SAPROF-YV vorgestellt.

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