Sexuelle Minderheiten LGBTIQ+

Zu sexuellen Minderheiten gehören Lesben, Schwule sowie bisexuelle, transsexuelle, intersexuelle und queere Personen, die auch unter dem englischen Akronym LGBTIQ zusammengefasst werden. Sie bilden eine sehr heterogene Gruppe, sind aber allesamt derselben Missbrauchsgefahr ausgesetzt. In Institutionen des Freiheitsentzugs sind sie besonders verletzlich, da in diesem Kontext einer von der Norm abweichenden sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität wenig Raum geboten wird. Das Justizvollzugssystem funktioniert nach einer binären Logik, in dem eine Person entweder weiblich oder männlich ist. Dieser Umstand ist für Transgender-Personen besonders prekär. Der Umgang mit sexuellen Minderheiten im Justizvollzug widerspiegelt denn auch die mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft. Neben ihrer fehlenden Sichtbarkeit und der Gefahr der sozialen Ausgrenzung werden LGBTIQ-Personen immer wieder Opfer von verbalen Beschimpfungen und körperlicher Gewalt durch Mitinsassen.

Wie viele LGBTIQ-Personen sich tatsächlich in Institutionen des Justizvollzugs befinden und wie sie ihre Inhaftierung erleben, ist nicht bekannt. Mit einer umsichtig durchgeführten Erhebung könnte diese Problematik systematisch erfasst werden.

«Ce sont précisément les personnes travaillant en milieu pénitentiaire qui ont le potentiel de devenir des vecteurs de changement. A ce jour, aussi bien la sexualité en prison que la présence de détenus issus des minorités sexuelles représentent un tabou dans les prisons suisses. Briser ce tabou est la première étape pour mieux prévenir les situations de violence à l’égard des détenus LGBTI, ainsi que, de manière plus générale, les situations d’abus sexuels sur des détenus non consentants. Pour ce faire, il est important de sensibiliser et de former le personnel sur la question des groupes en situation de vulnérabilité en général, et des personnes LGBTI en particulier.» Jean-Sébastien Blanc, Minorités sexuelles en détention: de l’invisibilité à la stigmatisation. In: Verletzlichkeit und Risiko im Justizvollzug, Stämpfli Verlag 2015, S. 169.

Um sie in ihrer psychischen und physischen Integrität zu schützen und die Sicherheit innerhalb der betreffenden Institution zu gewährleisten, werden LGBTIQ-Personen unter Umständen von anderen inhaftierten Personen getrennt untergebracht. Dies kann als problematische Massnahme bezeichnet werden, da dadurch die Gefahr wächst, dass die Betroffenen zusätzlich isoliert und stigmatisiert werden. Daher sollte die Isolation – auch wenn sie dem Schutz der inhaftierten Personen dient – nie eine mittel- oder langfristige Lösung darstellen. In solchen Situationen ist es häufig hilfreich, die Meinung der betroffenen Person einzuholen.

Transgender-Strafverurteilte werden entsprechend ihres biologischen Geschlechts oder auf der Basis ihrer Ausweispapiere in eine bestimmte Anstalt eingewiesen. Nach dem Best-Practice-Prinzip sollten Transgender-Personen mit ihrer Einwilligung und mit Rücksichtnahme auf ihr gefühltes Geschlecht in eine geeignete Anstalt eingewiesen werden. Dabei ist es unerlässlich, dass Transgender-Personen eine auf ihre Situation zugeschnittene medizinische Betreuung erhalten.