Forum Justizvollzug 2019

Wie gesund ist Justizvollzug ?
Forum Justizvollzug 27. und 28. November 2019

In Zusammenarbeit mit der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte, dem Forum der Gesundheitsdienste des schweizerischen Justizvollzugs,der Schweizerischen Gesellschaft für forensische Psychiatrie, der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz sowie mit der fachlichen Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit.

Thema der Tagung

Das zweite Forum des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug SKJV ist der Gesundheit gewidmet. Es geht um die psychische und physische Gesundheit von inhaftierten und strafverurteilten Personen sowie um die Gesundheit der Mitarbeitenden im Justizvollzug. Dabei stehen die Förderung eines gesunden Anstaltsklimas genauso im Fokus der Tagung wie Fragen zur optimalen Gesundheitsversorgung.

Will man dem Äquivalenzprinzip entsprechen, sollte «drinnen» – im Freiheitsentzug – die gleiche medizinische Versorgung zur Verfügung stehen wie «draussen» – in Freiheit. Aber: Was bedeutet das für die Praxis? Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeitenden im Justizvollzug, eine optimale, evidenzbasierte somatische und psychiatrische Gesundheitsversorgung im stationären und ambulanten Bereich zu gewährleisten? In Referaten und Workshops wird aus unterschiedlichen Perspektiven auf ausgewählte praxisrelevante Aspekte der Gesundheitsversorgung und der Förderung von Gesundheit in diesem Praxisfeld
eingegangen.

Das diesjährige Forum Justizvollzug bietet den Teilnehmenden Zeit und Raum für Vernetzung, Fachaustausch und Diskussionen, um den Handlungsbedarf zu benennen und Lösungsvorschläge zu formulieren. Im Plenum und in den über 20 Workshops präsentieren Fachleute bewährte und neue Konzepte und Herangehensweisen. Anhand von Posters werden die gesundheitsspezifischen Bildungsangebote des SKJV vorgestellt. Auch Kooperationspartner und Forschende stellen in diesem Rahmen ihre Projekte vor.

Das Forum richtet sich an Mitarbeitende aus allen Bereichen und Professionen des Justizvollzugs, an Forschende, an Personen, die in Hochschulen tätig sind und an Entscheidungsträgeraus Behörden und Politik.

 

Programm Forum 2019 (PDF)

Mittwoch, 27. November 2019

12:30 - Empfang, Poster- Rundgang und Begrüssungsdrink

13:30 - Begrüssung
 

  • Philippe Müller, Regierungsrat des Kantons Bern
  • Patrick Cotti, Direktor, Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug SKJV 
  • Andrea Arz de Falco, Vizedirektorin Öffentliche Gesundheit, Bundesamt für Gesundheit BAG

 

13:50 - Einführung in die Tagung
 

  • Peter Menzi, wissenschaftlicher Mitarbeiter Leistungsbereiche Praxis SKJV
  • Laura von Mandach, Leiterin Fachwissen und Analyse SKJV

 

14:00 - Can prisons be «healthy»?
 

  • Alison Liebling, Professor of Criminology and Criminal Justice – Director of the Prisons Research Centre - Director of the Ph.D. Programme, University of Cambridge

 

14:30 - Fragerunde

14:40 - Gesundheitsversorgung im Gefängnis: was ist wichtig?
 

  • Hans Wolff, Professor und Chefarzt der gefängnismedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals HUG, Präsident der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte KSG und Mitglied des Europäischen Komitee zur Verhütung von Folter CPT im Namen der Schweiz
  • Beatrice Willen, Pflegefachfrau HF, Präsidentin des Forums der Gesundheitsdienste des schweizerischen Justizvollzugs

 

15:20 - Fragerunde

15:30 - Pause

16:00 - Psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen im Schnelldurchlauf 

 

  • Simone Hänggi, Leitende Ärztin der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland und Mitglied des Vorstands der Konferenz der Schweizerischen Gefängnisärzte KSG

 Qualifizierung und Belastung in der Forensischen Psychiatrie
 

  • Philippe Delacrausaz, Médecin adjoint, Responsable du Centre d’Expertises à l’Institut de Psychiatrie légale IPL, DP-CHUV, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für forensische Psychiatrie SGFP

 

16:40 - Fragerunde

16:50 - Schluss Plenum

17:00 - Workshops Mittwoch
 

 

18:15 - Apéro riche der Justizvollzugsanstalt Witzwil

 

Justizvollzugs- und Gesundheitspersonal: Welche Hilfsmittel sind nötig, um die konstruktive Zusammenarbeit zu fördern?

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Hans Wolff, Professor und Chefarzt der gefängnismedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals HUG, Präsident KSG und Mitglied CPT im Namen der Schweiz
  • Nicolas Peigné, Infirmier responsable d‘équipe de soins, Service de médecine pénitentiaire, HUG
  • Diane Golay, Responsable des Psychologues, Service de Médecine Pénitentiaire, HUG
  • Alexandre Maggiacomo, Directeur adjoint, Prison de Champ-Dollon
  • Thierry Fridez, Gardien-chef, Chef d’Etat-major, Prison de Champ-Dollon

Das Gefängnis Champ-Dollon ist ein Hochsicherheitsgefängnis für Untersuchungsgefangene, in dem alle Haft-formen vollzogen werden (Untersuchungshaft, Straf- und Massnahmenvollzug). Es ist chronisch überbelegt und zeichnet sich durch eine absolute Unabhängigkeit der Gesundheitsversorgung von den Justizvollzugsbe-hörden aus. Die Betreuung von inhaftierten Patientinnen und Patienten mit manchmal äusserst komplexen gesundheitlichen Problemen kann die Teams vor Schwierigkeiten stellen und zu Spannungen zwischen den Gesundheits- und den Justizvollzugsverantwortlichen führen, da deren Aufgaben und Herausforderungen sich manchmal diametral entgegenstehen. In diesem Workshop möchten wir unsere gemeinsamen Überlegungen präsentieren sowie die Hilfsmittel vorstellen, die in der Einrichtung eingeführt wurden, um eine konstruktive interdisziplinäre Art der Zusammenarbeit zu fördern, die geprägt ist von einem partnerschaftlichen Umgang und gegenseitigem Vertrauen.

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Psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen: Was soll das, was ist das und wie viel davon braucht es? Ein Versuch, Missverständnisse aller Art aufzuklären

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Simone Hänggi, Leitende Ärztin der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland und Mitglied des Vorstands der KSG

Sowohl Körper als auch Geist sind gleichermassen von Krankheit betroffen und die medizinische Versorgung erfasst darum immer sowohl somatische als auch psychische Leiden. Die Behandlung psychischer Erkrankungen ist das Fachgebiet von Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat im Januar 2016 im Auftrag der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren KKJPD die «Empfehlungen zur Psychiatrischen Versorgung im Freiheitsentzug» formuliert. Die Referentin war Mitglied dieser Arbeitsgruppe. Im Workshop wird sie ausführlich erklären, worauf die psychiatrische Versorgung inhaftierter Personen abzielt, wie sie abläuft, wie sie einfach organisiert werden kann, was die Besonderheiten psychiatrischer Versorgung bei inhaftierten Personen sind und wie sich die psychiatrische Versorgung und Behandlung im Strafvollzug von den Interventionen im Massnahmenvollzug unterscheidet.

Falls Sie sich fragen, was Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie eigentlich mit den Inhaftierten im Straf- und Massnahmenvollzug machen, finden Sie hier Antworten.

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Qualifizierung und Belastung in der Forensischen Psychiatrie

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Philippe Delacrausaz, médecin adjoint, responsable du Centre d’expertises à l’Institut de psychiatrie légale IPL, DP-CHUV, Président de la SSPF

Seit 2014 existiert in der Schweiz ein Fachtitel in Forensischer Psychiatrie und Psychotherapie, den Psychiatrie-Fachleute nach Absolvierung einer anspruchsvollen, spezifischen praktischen und theoretischen Weiterbildung erwerben können. Die national einheitlichen Anforderungen sollen die Gleichwertigkeit der Weiterbildung im Bereich der Begutachtung und der Betreuung von Gefangenen mit psychischen Erkrankungen oder Personen im Massnahmenvollzug in allen Sprachregionen sicherstellen. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit den Gründen für die Entwicklung dieses Fachtitels und erläutert die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit eine berufliche Tätigkeit in diesem Bereich ins Auge gefasst werden kann. Ausserdem geht er auf die spezifischen Schwierigkeiten ein, mit denen Berufsleute im Kontext der Justiz und des Justizvollzugs konfrontiert sind und die momentan dazu führen, dass deutlich zu wenig Psychiaterinnen und Psychiater eine Tätigkeit in diesem Umfeld anstreben.

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Gesundheit der Mitarbeitenden stärken: Was wir aus dem Gesundheitspakt des Berliner Justizvollzugs lernen können

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Kristin Herold, Referentin für strategisches Gesundheitsmanagement Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Berlin
  • Christina Hansen, Referatsleiterin des Bereiches III B u.a. für Personal- und Organisationsmanagement/Senatsrätin, Berlin 
  • Reto Kälin, Leiter Partner Relations, Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz

Können in einem geschlossenen System wie dem Justizvollzug überhaupt gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden? Die Herausforderungen sind zahlreich, insbesondere angesichts der veränderten Zusammensetzung der Mitarbeitenden, dem steigenden Altersdurchschnitt und den belastentenden Arbeitsbedingungen. Mit dem «Gesundheitspakt des Berliner Jusitzvollzugs» soll der Veränderungsprozess gelingen. Wie geht das?
Der Workshop bietet Einblick in den «Gesundheitspakt» des Berliner Justizvollzuges. Nach einer kurzen Erläuterung der Strategie werden Best Practice-Beispiele vorgestellt. Die anwesenden Expertinnen und Experten werden in der Folge Teil eines kreativen Denkprozesses. Ziel ist es Möglichkeiten einer gelingenden Gesundheitsmanagement in den Justizvollzugsanstalten in Berlin und im Schweizer Freiheitsentzug in Erfahrung zu bringen, zu vergleichen und dabei auch konkrete Massnahmen einer optimalen Förderung und Management der Gesundheit der Mitarbeiten nach Hause mitnehmen zu können.  

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Sich im Gefängnis sicher tätowieren lassen: das Tattoo-Projekt aus Luxemburg

Auf Französisch
 

  • Mike Conrath, Pflegefachmann, Gesundheitsdienst Justizvollzug Luxemburg

Illegales Tätowieren ist in den Institutionen des Freiheitsentzugs nach wie vor stark verbreitet. Durch den Gebrauch von unsauberen Nadeln und Arbeitswerkzeugen besteht eine grosse Ansteckungsgefahr. Im Rahmen des Tattoo-Projektes des Justizvollzugs von Luxemburg werden Inhaftierte durch einen professionellen Tätowierer ausgebildet, so dass sie andere Inhaftierte sauber und sicher tätowieren können. 

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Gesundes Gefängnis – Förderung der Gesundheitskompetenz durch Bewegung

Auf Deutsch
 

  • Samuel Maurer, Projekt-, Kursleiter & Berater Betriebliches Gesundheitsmanagement, Bewegtes Lernen & Bildung im Strafvollzug, Dozent ETH Zürich
  • Mathias Marending, Master of science EHSM in Sports, Sportlehrer JVA Witzwil, agent de détention

Die Gesundheitskompetenz ist eine wichtige Fähigkeit für ein selbständiges Leben. Dabei geht es nicht nur um Bewältigung von Krankheiten, sondern auch um gesundheitsförderliches Verhalten (Stressregulation, körperliche Fitness, Ernährungsverhalten, etc). Die Förderung von gesundheitsförderlichem Verhalten macht im Freiheitsentzug aus mehreren Gründen Sinn: Einerseits können Krankheitskosten gesenkt werden, andererseits leisten pädagogische Gesundheitsangebote einen massgeblichen Beitrag zur Resozialisierung und schliesslich können durch Angebote – sowohl für Mitarbeitende als auch Gefangene – massgeblich gesündere Lebens- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
Der Workshop soll konkrete Anregungen dazu geben, mit welchen pädagogischen und betrieblichen Konzepten die Gesundheitskompetenz von Mitarbeitenden und Gefangenen im Justizvollzug gefördert werden können – für ein gesundes Gefängnis.

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SAPROF-Youth Version: Erfassung von Schutzfaktoren für das Ge-waltrisiko bei Jugendlichen

Auf Deutsch
 

  • Cyril Boonmann, Projektkoordinator JAEL, Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Das Structured Assessment of Protective Factors for violence risk-Youth Version SAPROF-YV (De Vries Robbé et al., 2014) ist ein Beurteilungsinstrument zur Erfassung von Schutzfaktoren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es handelt sich um ein Structured Professional Judgment SPJ, eine Checkliste, die zusammen mit überwiegend risikoorientierten Instrumenten für Jugendliche verwendet werden kann. 

Das SAPROF-YV wurde nach dem internationalen Erfolg des ursprünglichen SAPROF für Erwachsene entwickelt. Zusätzlich zu den bereits in anderen Instrumenten bewerteten Risikofaktoren soll das SAPROF-YV durch eine spezifische, vertiefte Bewertung von Schutzfaktoren den Prozess der Einschätzung des Gewaltrisikos ergänzen, um eine ausgewogenere Bewertung des zukünftigen Gewaltrisikos zu ermöglichen. Die 16 dynamischen Faktoren des SAPROF-YV können bei der Fallformulierung, der Festlegung positiver Behandlungsziele, der Bewertung des Behandlungsfortschritts hilfreich sein und zu einer gut informierten Risikokommunikation beitragen. Die Schutzfaktoren ermöglichen einen positiveren Umgang mit Gewaltprävention. 

Der Workshop konzentriert sich auf den Wert von Schutzfaktoren für Jugendliche in der Behandlungspraxis. Die Teilnehmenden werden in das SAPROF-YV eingeführt und erhalten Einblick in die praktische Anwendung des Tools. Implikationen für die Risikobewertung und das Risikomanagement werden diskutiert sowie vorläufige Forschungsergebnisse zum SAPROF-YV vorgestellt.

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Donnerstag, 28. November 2019

8:00 - Posterfrühstück mit Kaffee und Gipfeli

9:00 - Was wissen wir über das soziale Klima in Schweizer Anstalten des Straf- und Massnahmenvollzugs? Unterschiede in der Wahrnehmung von Personal und Gefangenen 
 

  • Ueli Hostettler, Leiter Prison Research Group, Universität Bern, Institut für Strafrecht und Kriminologie


9:20 - Fragerunde


9:30 - Ausschaffung von Inhaftierten afrikanischer Herkunft nach dem Massnahmenvollzug:die Herausforderungen
 

  • Rigobert Hervais Kamdem, Leitender Arzt, Zentrum für forensische Psychiatrie, Freiburg


9:50 - Fragerunde


10:00 - Die Herausforderung der Unterbringung, Betreuung und Pflege von älteren Inhaftierten im Freiheitsentzug
 

  • Bruno Graber, ehemaliger Leiter Zentralgefängnis JVA Lenzburg


10:20 -  Fragerunde

 


10:30 - Pause


11:00 - Workshops Vormittag

 


12:00 - Mittagessen


13:30 - Workshops Nachmittag


14:30 - Schluss zweite Workshoprunde


14:45 - Wie gesund ist Justizvollzug? Ist-Zustand und Perspektiven Kurzinput Nationale Kommission zur Verhinderung der Folter NKVF und Podiumsdiskussion
 

  • Giorgio Battaglioni, Vizepräsident NKVF
  • Romilda Stämpfli, Vorsteherin Amt für Justizvollzug Kanton Bern 
  • Christian Clerici, Chef du Service pénitentiaire neuchâtelois 
  • Joe Keel, Sekretär Ostschweizer Strafvollzugskonkordat


15:50 - Ausblick und Verabschiedung
 

  • Parick Cotti, Direktor SKJV


16:00 - Programmende

 

Infektionskrankheiten: Herausforderungen für Inhaftierte und Mitarbeitende im Freiheitsentzug

Auf Französisch 
 

  • Laurent Gétaz, médecin adjoint agrégé, Service de médecine Pénitentiaire, Hôpitaux universitaires de Genève 
  • Claude Scheidegger, Facharzt für Innere Medizin FMH und Infektiologie FMH, Basel

In diesem Workshop präsentiert Laurent Gétaz die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Umgang des Personals mit Infektionskrankheiten im Freiheitsentzug. Claude Scheidegger spricht u.a. über die Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis. Das Ziel des Workshops ist die Sensibilisierung zu übertagbaren Krankheiten zu verstärken und über mögliche Verbesserungen zu diskutieren.  

Die Prävalenz zahlreicher Infektionskrankheiten ist bei Gefangenen höher als bei der allgemeinen Bevölkerung. Fehlerhaftes Wissen und falsche Annahmen der Vollzugsangestellten können die Wirksamkeit der Programme zur Risikominimierung beeinträchtigen. Das Hauptziel eines entsprechenden Forschungsprojekts bestand darin, das Wissen, die Befürchtungen und die Schutzstrategien von Vollzugsangestellten in Bezug auf die im Gefängniskontext vorherrschenden Infektionskrankheiten zu evaluieren.

Ergebnisse und Diskussion: In Bezug auf das Wissen über Infektionskrankheiten sowie das Schutzverhalten der Fachleute Justizvollzug besteht noch Optimierungspotenzial. Mehr als die Hälfte der Vollzugsangestellten, die an der Studie teilgenommen haben, gaben an, beim Eingreifen in Schlägereien nicht systematisch Handschuhe zu tragen, und verfügen nicht über einen ausreichenden Impfschutz, obwohl ein sicherer und wirkungsvoller Impfstoff erhältlich ist. Ein besseres Wissen bezüglich der Übertragungswege sowie der Schutzmöglichkeiten, eine flächendeckende Impfung gegen Hepatitis B sowie das Tragen von Handschuhen können die Angst vor Ansteckung und die Ansteckungsgefahr vermindern.

In der Schweiz sind ca. 80‘000 Personen von einer chronischen Virushepatitis B oder C betroffen. Bis zu einem Drittel weiss dies nicht. Unbehandelt können diese Infektionen zu schweren Komplikationen sowie zu Übertragung/Neuansteckungen führen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO hat auch das Bundesamt für Gesundheit BAG Personen im Freiheitsentzug als Risikogruppe identifiziert, bei welcher besondere Massnahmen betreffend Vorbeugung, Abklärung und Behandlung von Virushepatitis notwendig sind. Aus diesem Grund hat das BAG in neuen Richtlinien zu Hepatitis C dem Freiheitsentzug ein eigenes Kapitel gewidmet. Abklärung und Behandlung von Hepatitis C sind einfach geworden, mit besten Aussichten auf Heilung nach 8-12-wöchigen, generell sehr gut verträglichen Therapien. Nun gilt es, auch im Freiheitsentzug flächendeckend die Voraussetzungen für entsprechende Abklärungen und die Behandlung zu schaffen. Dafür müssen die lokalen Gegebenheiten berücksichtigt und spezifische Probleme gelöst werden – nicht zuletzt auch die Frage der Kostenübernahme bei nicht gegen Krankheit Versicherten.

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Evaluation der Medikamentenabgabe im Gefängnis mittels persönlicher Medikamentenausgabeschränke

Simultantübersetzung in Deutsch
 

  • Dominique Pralong, infirmière spécialisée, Service de médecine pénitentiaire, HUG Genève 
  • Gérard Mary, infirmier spécialisé, Service de médecine pénitentiaire, HUG Genève 
  • Peter Menzi, wissenschaftlicher Mitarbeiter Leistungsbereiche Praxis, SKJV

Gefängnisse gehören zu den totalen Institutionen, die einen einschneidenden Autonomieverlust mit sich bringen. Um die Auswirkungen eines solchen möglichst gering zu halten, hat das Pflegepersonal des Genfer Service de médecine pénitentiaire in Absprache mit der Gefängnisleitung ein System zur Medikamentenabgabe mittels persönlicher Medikamentenausgabeschränke eingeführt. Nach der Einführung dieses Systems sollte dessen Auswertung folgen. Ziel dabei war es, die Vorteile und Bedenken im Zusammenhang mit einem solchen Verteilsystem zu identifizieren sowie den Zufriedenheitsgrad der verschiedenen Akteure (Patientinnen und Patienten, Justizvollzugspersonal und Pflegepersonal) zu erheben. Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Medikamentenabgabe sehr gut ankommt und eine Zeitersparnis bedeutet. Alle Beteiligten betonen, dass das System ein gutes Mittel zur Förderung der Selbstständigkeit und zum Einbezug der Patientinnen und Patienten bei ihrer Behandlung sowie bei sie betreffende Gesundheitsfragen darstellt, während gleichzeitig Vertraulichkeit und Sicherheit gewährleistet sind.

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Krisenintervention im Gefängnis Limmattal

Simultantübersetzung deutsch-französisch
 

  • Silke Roth-Meister, Leiterin Kriseninterventionsabteilung, medizinischer Dienst Gefängnis Limmattal 

Die Kriseninterventionsabteilung Kia des Gefängnis Limmattal im Kanton Zürich ist im Februar 2019 mit neun Plätzen eröffnet worden. Die Abteilung bietet Inhaftierten des Kantons Zürich, insbesondere Personen, die in der Untersuchungshaft eingewiesen sind, eine medizinisch-psychiatrische Grundversorgung bei akuten psychischen Krisen, wenn beispielsweise eine Suizidgefährdung vorliegt.   

Die Leiterin der neuen Abteilung stellt das Angebot hinsichtlich Betreuung, Räumlichkeiten und medizinische Versorgung vor und berichtet von ersten Erfahrungen im Alltag mit den Inhaftierten. Sie zeigt auf wie hilfreich sich das Angebot erweist, und äusserst sich auch zu aktuellen Herausforderungen, mit denen die Verantwortlichen konfrontiert sind. 

In der Diskussion mit den Teilnehmenden des Workshops werden Erfahrungen mit den bestehenden Möglichkeiten der Krisenintervention in anderen Institutionen und Kantonen ausgetauscht. 

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Gesundheit der Mitarbeitenden stärken: Was wir aus dem Gesundheitspakt des Berliner Justizvollzugs lernen können

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Kristin Herold, Referentin für strategisches Gesundheitsmanagement Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Berlin
  • Christina Hansen, Referatsleiterin des Bereiches III B u.a. für Personal- und Organisationsmanagement/Senatsrätin, Berlin 
  • Reto Kälin, Leiter Partner Relations, Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz

Können in einem geschlossenen System wie dem Justizvollzug überhaupt gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden? Die Herausforderungen sind zahlreich, insbesondere angesichts der veränderten Zusammensetzung der Mitarbeitenden, dem steigenden Altersdurchschnitt und den belastentenden Arbeitsbedingungen. Mit dem «Gesundheitspakt des Berliner Jusitzvollzugs» soll der Veränderungsprozess gelingen. Wie geht das?
Der Workshop bietet Einblick in den «Gesundheitspakt» des Berliner Justizvollzuges. Nach einer kurzen Erläuterung der Strategie werden Best Practice-Beispiele vorgestellt. Die anwesenden Expertinnen und Experten werden in der Folge Teil eines kreativen Denkprozesses. Ziel ist es Möglichkeiten einer gelingenden Gesundheitsmanagement in den Justizvollzugsanstalten in Berlin und im Schweizer Freiheitsentzug in Erfahrung zu bringen, zu vergleichen und dabei auch konkrete Massnahmen einer optimalen Förderung und Management der Gesundheit der Mitarbeiten nach Hause mitnehmen zu können.  

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Herausforderndes Verhalten bei psychisch auffälligen oder kranken Klienten in meiner Beratungs- und Betreuungsarbeit (Schweizerische Vereinigung Bewährungshilfe und Soziale Arbeit in der Justiz, prosaj)

Simultantübersetzung deutsch-französisch
 

  • Patrick Zobrist, Dozent/Projektleiter Hochschule Luzern - Soziale Arbeit 
  • Thomas Erb, Leiter Sozialwesen, JVA Pöschwies, Vize-Präsident prosaj

In einem ersten Inputreferat erläutert Patrick Zobrist unterschiedliche Herangehensweisen bei psychisch auffälligen Klienten, am Beispiel von Menschen mit dissozialen Persönlichkeitsstörungen, im Feld der Arbeit mit Straffälligen aus Sicht der Beratung und Betreuung.

Die Teilnehmenden des Workshops widmen sich im folgenden Austausch konkreten „Werkzeugen“ und spezifischen Fragestellungen zum Umgang mit diesen problematischen Verhaltensweisen: Welche Rolle spielt die Interaktion in der Arbeitsbeziehung selbst? Welchen Einfluss haben gegebene Systeme auf die Ergebnisse und / oder die eigene Arbeitsweise? Welche Effekte limitieren oder verbessern eine konstruktive Zusammenarbeit? Die Teilnehmenden des Workshops erkennen konkrete (neue) Perspektiven für ihren Beratungs- und Betreuungsalltag.

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Mitgestalten?! Psychische Gesundheit durch Selbstwirksamkeitserfahrungen

Auf Deutsch
 

  • Stefan Schmalbach, Bereichsleiter AEF, psychiatrisch-psychologischer Dienst Amt für Justizvollzug Kanton Zürich

Seit nunmehr fast 10 Jahren werden in den therapeutischen Bereichen des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Amts für Justizvollzug Zürich wahrgenommene suboptimale Prozesse (SOP) und Entwicklungsvorschläge (E) systematisch dokumentiert, analysiert und evaluiert. SOP können sich auf den forensischen Behandlungsprozess, klassische Rückfälle, besondere Vorkommnisse, Kom¬munikationsprobleme, Schnittstellenkonflikte, etc. beziehen. Das Spektrum der Entwicklungsvorschläge reicht von einfachen infra¬strukturellen bis hin zu komplexen organisationsbezogenen Verbes¬serungsideen. Jeder(r) Mitarbeitende kann und soll SOP & E einbringen. Die Meldungen werden in einem spezifisch dafür eingerichteten Ressort gesammelt, von den Ressortverantwortlichen gemeinsam mit den Bereichsleitungen nach einem definierten Procedere ausgewertet und die allenfalls resultierenden Massnahmen zurück ins Team kommuniziert.

Auf diese Weise verantwortet sich jede(r) Mitarbeitende für die Weiterentwicklung des eigenen Arbeitsfeldes und der Gesamtor¬ganisation und kann sich – als Individuum, als Team – als selbstwirksam erfahren. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, die eigene Arbeit als sinnhaft zu erleben, was sich auch positiv auf krankheitsbedingte Absenzen auswirken kann.

Der Workshop knüpft an das Leitthema des letztjährigen Forums Justizvollzug (Standards! Aber wozu?) an und bietet eine praxisnahe, pragmatische und durch konkrete Beispiele illustrierte Lösung an, die sich mittelbar positiv auf die Gesundheit im Arbeitsfeld Justizvollzug auswirkt.

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Sich im Gefängnis sicher tätowieren lassen: das Tattoo-Projekt aus Luxemburg

Auf Deutsch
 

  • Mike Conrath, Pflegefachmann, Gesundheitsdienst Justizvollzug Luxemburg

Illegales Tätowieren ist in den Institutionen des Freiheitsentzugs nach wie vor stark verbreitet. Durch den Gebrauch von unsauberen Nadeln und Arbeitswerkzeugen besteht eine grosse Ansteckungsgefahr. Im Rahmen des Tattoo-Projektes des Justizvollzugs von Luxemburg werden Inhaftierte durch einen professionellen Tätowierer ausgebildet, so dass sie andere Inhaftierte sauber und sicher tätowieren können. 

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Jeunes adultes et mesures institutionnelles: des détenus pas comme les autres?

Auf Französisch
 

  • Laila Espinosa, Médecin adjointe, Service des mesures institutionnelles, Hôpitaux Universitaires de Genève
  • Yec’ Hann Laidet, Infirmière responsable de l’équipe de soins UM1, Service des mesures institutionnelles, Hôpitaux Universitaires de Genève
  • Kerstin Weber, Psychologue responsable, Service des mesures institutionnelles, Hôpitaux Universitaires de Genève

La prise en charge psychiatrique de jeunes adultes au bénéficie d’une mesure institutionnelle (art 59 CP) pose la question de la dimension développementale de certaines affections psychiatriques qui déterminent les transgressions pénales. Ces jeunes représentent-ils une population spéciale marquée par un développement défaillant à l’origine d’une vulnérabilité psychologique, ou bien sont-ils des malades mentaux adultes ordinaires? 

Les équipes médico-soignantes et sécuritaires de l’Unité de mesures pour jeunes majeurs âgés de moins de 30 ans de l’établissement de mesures fermé Curabilis affrontent quotidiennement le défi équilibriste d’offrir à 16 détenus-patients un tutorat bienveillant et ferme, essentiellement de nature socio-éducative, pour les accompagner vers une maturité adulte. 

La propension de ces détenus-patients aux passages à l’acte auto- et hétéro-agressifs et leurs transgressions répétées du cadre sont de vrais défis pour le professionnalisme et l’engagement des équipes de détention et médico-soignante. Cela nécessite un investissement particulier du travail binomial pour réussir à maintenir un cadre sécurisant et thérapeutique.

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Infektionskrankheiten: Herausforderungen für Inhaftierte und Mitarbeitende im Freiheitsentzug

Simultantübersetzung in Deutsch
 

  • Laurent Gétaz, médecin adjoint agrégé, Service de médecine Pénitentiaire, Hôpitaux universitaires de Genève 
  • Claude Scheidegger, Facharzt für Innere Medizin FMH und Infektiologie FMH, Basel

In diesem Workshop präsentiert Laurent Gétaz die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Umgang des Personals mit Infektionskrankheiten im Freiheitsentzug. Claude Scheidegger spricht u.a. über die Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis. Das Ziel des Workshops ist die Sensibilisierung zu übertagbaren Krankheiten zu verstärken und über mögliche Verbesserungen zu diskutieren.  

Die Prävalenz zahlreicher Infektionskrankheiten ist bei Gefangenen höher als bei der allgemeinen Bevölkerung. Fehlerhaftes Wissen und falsche Annahmen der Vollzugsangestellten können die Wirksamkeit der Programme zur Risikominimierung beeinträchtigen. Das Hauptziel eines entsprechenden Forschungsprojekts bestand darin, das Wissen, die Befürchtungen und die Schutzstrategien von Vollzugsangestellten in Bezug auf die im Gefängniskontext vorherrschenden Infektionskrankheiten zu evaluieren.

Ergebnisse und Diskussion: In Bezug auf das Wissen über Infektionskrankheiten sowie das Schutzverhalten der Fachleute Justizvollzug besteht noch Optimierungspotenzial. Mehr als die Hälfte der Vollzugsangestellten, die an der Studie teilgenommen haben, gaben an, beim Eingreifen in Schlägereien nicht systematisch Handschuhe zu tragen, und verfügen nicht über einen ausreichenden Impfschutz, obwohl ein sicherer und wirkungsvoller Impfstoff erhältlich ist. Ein besseres Wissen bezüglich der Übertragungswege sowie der Schutzmöglichkeiten, eine flächendeckende Impfung gegen Hepatitis B sowie das Tragen von Handschuhen können die Angst vor Ansteckung und die Ansteckungsgefahr vermindern.

In der Schweiz sind ca. 80‘000 Personen von einer chronischen Virushepatitis B oder C betroffen. Bis zu einem Drittel weiss dies nicht. Unbehandelt können diese Infektionen zu schweren Komplikationen sowie zu Übertragung/Neuansteckungen führen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO hat auch das Bundesamt für Gesundheit BAG Personen im Freiheitsentzug als Risikogruppe identifiziert, bei welcher besondere Massnahmen betreffend Vorbeugung, Abklärung und Behandlung von Virushepatitis notwendig sind. Aus diesem Grund hat das BAG in neuen Richtlinien zu Hepatitis C dem Freiheitsentzug ein eigenes Kapitel gewidmet. Abklärung und Behandlung von Hepatitis C sind einfach geworden, mit besten Aussichten auf Heilung nach 8-12-wöchigen, generell sehr gut verträglichen Therapien. Nun gilt es, auch im Freiheitsentzug flächendeckend die Voraussetzungen für entsprechende Abklärungen und die Behandlung zu schaffen. Dafür müssen die lokalen Gegebenheiten berücksichtigt und spezifische Probleme gelöst werden – nicht zuletzt auch die Frage der Kostenübernahme bei nicht gegen Krankheit Versicherten.

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Evaluation der Medikamentenabgabe im Gefängnis mittels persönlicher Medikamentenausgabeschränke

Simultantübersetzung in Französisch
 

  • Dominique Pralong, infirmière spécialisée, Service de médecine pénitentiaire, HUG Genève 
  • Gérard Mary, infirmier spécialisé, Service de médecine pénitentiaire, HUG Genève 
  • Peter Menzi, wissenschaftlicher Mitarbeiter Leistungsbereiche Praxis, SKJV

Gefängnisse gehören zu den totalen Institutionen, die einen einschneidenden Autonomieverlust mit sich bringen. Um die Auswirkungen eines solchen möglichst gering zu halten, hat das Pflegepersonal des Genfer Service de médecine pénitentiaire in Absprache mit der Gefängnisleitung ein System zur Medikamentenabgabe mittels persönlicher Medikamentenausgabeschränke eingeführt. Nach der Einführung dieses Systems sollte dessen Auswertung folgen. Ziel dabei war es, die Vorteile und Bedenken im Zusammenhang mit einem solchen Verteilsystem zu identifizieren sowie den Zufriedenheitsgrad der verschiedenen Akteure (Patientinnen und Patienten, Justizvollzugspersonal und Pflegepersonal) zu erheben. Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Medikamentenabgabe sehr gut ankommt und eine Zeitersparnis bedeutet. Alle Beteiligten betonen, dass das System ein gutes Mittel zur Förderung der Selbstständigkeit und zum Einbezug der Patientinnen und Patienten bei ihrer Behandlung sowie bei sie betreffende Gesundheitsfragen darstellt, während gleichzeitig Vertraulichkeit und Sicherheit gewährleistet sind.

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Prävention und Schadensminderung im Freiheitsentzug: heroingestützte Behandlung und Spritzenabgabe/

Simultantübersetzung deutsch-französisch
 

  • Vera Camenisch, Betriebsleiterin HEGEBE und Leiterin Sozialdienst JVA Realta 
  • Padruot Salzgeber, Direktor JVA Realta 
  • Irene Aebi, Präventionsbeauftragte JVA Hindelbank

Prävention und Schadenminderung sind wichtige Bestandteile einer guten Gesundheitsversorgung im Freiheitsentzug. Die JVA Realta ist eine der wenigen Institutionen, die aktuell eine heroingestützte Behandlung anbietet. Im ersten Kurzreferat werden Bedeutung, Voraussetzungen, Funktionsweise und die Einbettung des Angebots innerhalb der Anstalt vorgestellt.

Im zweiten Kurzreferat geht es um die Präventionsarbeit in der JVA Hindelbank. Als einzige Justizvollzugsanstalt in der Schweiz verfügt die Anstalt über eine eigene Präventionsbeauftragte. Die Teilnehmenden des Workshops erhalten Antworten auf Fragen betreffend Auftrag, Aufgaben, Aktivitäten der Präventionsfachfrau als auch über die Akzeptanz der Stelle innerhalb und ausserhalb der Institution.

Im Diskussionsteil des Workshops äussern sich die Teilnehmende des Workshops über weitere Vorhaben und Herausforderungen in diesem Bereich. 

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Les troubles de la personnalité dans l’univers carcéral: maladie traitable ou séquelle incurable?

Auf Französisch
 

  • Christoph Menu, Directeur adjoint, responsable de l’exécution des mesures, établissement pénitentiaire fermé Curabilis, Genève
  • Christian Clerici, Chef du Service pénitentiaire neuchâtelois
  • Panteleimon Giannakopoulos, Médecin-chef du service des Mesures institutionnelles, HUG

Une part significative des mesures pénales (art. 63, 59 et 64 CPS) sont prononcées pour des personnes présentant des troubles de la personnalité. On trouve même souvent, dans les expertises effectuées dans le cadre de l'instruction ou de l'exécution de la mesure, des indications que des possibilités de soins existent ou que des pistes thérapeutiques doivent être explorées.

Les équipes soignantes comme les établissements d'exécution de peines ou de mesures sont régulièrement confrontés à ces difficultés au point qu'il est souvent nécessaire, comme dans les cas des troubles de la personnalité dyssociale, d'allier approches socio-éducatives et contenance sécuritaire plutôt que de tenter de poursuivre le but premier de la mesure (des soins psychiatriques et psychothérapeutiques visant le travail sur le délit et la diminution du risque de récidive).

Des problèmes éthiques et juridiques tels que la durée de la privation de liberté entraînée par la mesure et sa proportionnalité au regard du risque de récidive et de sa gravité se posent alors. Comment répondre au défi de la prise en charge des troubles de la personnalité dans l’univers carcéral? 

Cet atelier vous propose trois points de vue: celui d'un psychiatre en charge d'équipes de soins mais également au fait du domaine expertal; celui d'un juriste, chef de service d'une administration pénitentiaire cantonale et celui d'un responsable de l'exécution des mesures dans un établissement dédié. Ces trois perspectives permettront de faire un état des lieux des difficultés mais aussi de dégager des pistes de réflexion pour une réponse plus adéquate dans la prise en charge des troubles de la personnalité afin d’animer la discussion qui suivra.

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Herausforderndes Verhalten bei psychisch auffälligen oder kranken Klienten in meiner Beratungs- und Betreuungsarbeit (Schweizerische Vereinigung Bewährungshilfe und Soziale Arbeit in der Justiz, prosaj)

Simultantübersetzung deutsch-französisch
 

  • Patrick Zobrist, Dozent/Projektleiter Hochschule Luzern - Soziale Arbeit 
  • Thomas Erb, Leiter Sozialwesen, JVA Pöschwies, Vize-Präsident prosaj

In einem ersten Inputreferat erläutert Patrick Zobrist unterschiedliche Herangehensweisen bei psychisch auffälligen Klienten, am Beispiel von Menschen mit dissozialen Persönlichkeitsstörungen, im Feld der Arbeit mit Straffälligen aus Sicht der Beratung und Betreuung.

Die Teilnehmenden des Workshops widmen sich im folgenden Austausch konkreten „Werkzeugen“ und spezifischen Fragestellungen zum Umgang mit diesen problematischen Verhaltensweisen: Welche Rolle spielt die Interaktion in der Arbeitsbeziehung selbst? Welchen Einfluss haben gegebene Systeme auf die Ergebnisse und / oder die eigene Arbeitsweise? Welche Effekte limitieren oder verbessern eine konstruktive Zusammenarbeit? Die Teilnehmenden des Workshops erkennen konkrete (neue) Perspektiven für ihren Beratungs- und Betreuungsalltag.

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Wenn Langzeitinhaftierte ein Spitalbett besetzen: Die Herausforderung der adäquaten Unterbringung von pflegebedürftigen Inhaftierten im Freiheitsentzug

Auf Deutsch
 

  • Bruno Graber, ehemaliger Leiter Zentralgefängnis JVA Lenzburg 
  • Peter Baumann, Direktor Bewachungsstation Inselspital Bern

Im Anschluss an den Vortrag von Bruno Graber im Plenum, wird die Thematik der adäquaten Unterbringung der Langzeitpflegefälle im Freiheitsentzug noch einmal vertieft beleuchtet. Auf der Grundlage gesammelter Praxiserfahrungen in der Altersabteilung, in einem Gefängnis, in einem forensischen Heim und in der Bewachungsstation des Inselspitals, wird die Problematik, die sich bei der Unterbringung von pflegebedürftigen Inhaftierten stellt, aus Sicht von Pflegenden, Betreuenden, der Gefängnisleitungen sowie aus der Perspektive der Leitung und des Personals der Bewachungsstation des Inselspitals beleuchtet. 

Vor dem Hintergrund einer Bestandsaufnahme der älteren und pflegebedürftigen Inhaftierten in der Schweiz und des damit verbundenen institutionellen Aufwands, wird mit den Teilnehmenden im Workshop, im Hinblick auf eine optimale Gesundheitsversorgung von pflegebedürftigen Eingewiesenen im Freiheitsentzug, konkret über mögliche Lösungsvorschläge diskutiert.

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Gefängnisseelsorge als Beitrag zur Gesundheit

Auf Deutsch
 

  • Sakib Hallilovic, Imam, Justizvollzugsanstalt Pöschwies 
  • Frank Stüfen, ref. Pfarrer, Gefängnisseelsorger, Justizvollzugsanstalt Pöschwies 
  • Andreas Beerli, kath. Theologe, Leiter der Gefängnisseelsorge Kanton Zürich

Gefängnisseelsorge meint die empathische Begleitung von Menschen in einer aussergewöhnlichen Lebenssituation. Die Trennung vom Familien- und Freundeskreis, die Distanz zur vertrauten Umgebung, die ungewisse Zukunft, die ungewohnten Strukturen lösen Verunsicherung, Stress und viele Fragen aus. Die Gefangenen sind auf sich selbst zurückgeworfen, ihr Lebensfokus ist verengt. In dieser begrenzten Wirklichkeit trägt die Seelsorge mit ihrem Zugang und ihren Möglichkeiten dazu bei, dass die Inhaftierten, das was sie beschäftigt und belastet, zur Sprache bringen können. 

Im Workshop möchten wir diverse Bereiche beleuchten. 

Einsteigend zeigen wir auf, wie wir als Seelsorgende den Gefängnisalltag in Bezug auf das Thema Gesundheit erleben. Was ist aus unserer Sicht das Belastende, an was leiden die Inhaftierten und welche Handlungsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung um in der Ge¬fängniswelt positive Impulse einzubringen?

Einen zweiten Fokus werfen wir auf die Ressourcen. Wir greifen die Frage auf, inwiefern Sinn- und Glaubensfragen, aber auch religiöse Rituale Resilienzfaktoren darstellen. 

Ein dritter Aspekt ist auf den belastenden Aspekt der Schuld und Schuldverarbeitung gerichtet. Verbrechen haben immer auch mit Schuld zu tun. Den meisten Gefangenen sind die Folgen ihres Handels bewusst. Dies nicht nur auf ihre eigene Strafe bezogen, sondern auch auf Folgen, die Familienangehörige und die Opfer zu tragen haben. Schuld belastet, kann den Menschen in seinem ganzen Wesen blockieren und krank machen. Wie gehen wir Seelsorgende mit diesem Thema um?

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Justizvollzugs- und Gesundheitspersonal: Welche Hilfsmittel sind nötig, um die konstruktive Zusammenarbeit zu fördern?

Simultanübersetzung deutsch-französisch
 

  • Hans Wolff, Professor und Chefarzt der gefängnismedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals HUG, Präsident KSG und Mitglied CPT im Namen der Schweiz
  • Nicolas Peigné, Infirmier responsable d‘équipe de soins, Service de médecine pénitentiaire, HUG
  • Diane Golay, Responsable des Psychologues, Service de Médecine Pénitentiaire, HUG
  • Alexandre Maggiacomo, Directeur adjoint, Prison de Champ-Dollon
  • Thierry Fridez, Gardien-chef, Chef d’Etat-major, Prison de Champ-Dollon

Das Gefängnis Champ-Dollon ist ein Hochsicherheitsgefängnis für Untersuchungsgefangene, in dem alle Haft-formen vollzogen werden (Untersuchungshaft, Straf- und Massnahmenvollzug). Es ist chronisch überbelegt und zeichnet sich durch eine absolute Unabhängigkeit der Gesundheitsversorgung von den Justizvollzugsbe-hörden aus. Die Betreuung von inhaftierten Patientinnen und Patienten mit manchmal äusserst komplexen gesundheitlichen Problemen kann die Teams vor Schwierigkeiten stellen und zu Spannungen zwischen den Gesundheits- und den Justizvollzugsverantwortlichen führen, da deren Aufgaben und Herausforderungen sich manchmal diametral entgegenstehen. In diesem Workshop möchten wir unsere gemeinsamen Überlegungen präsentieren sowie die Hilfsmittel vorstellen, die in der Einrichtung eingeführt wurden, um eine konstruktive interdisziplinäre Art der Zusammenarbeit zu fördern, die geprägt ist von einem partnerschaftlichen Umgang und gegenseitigem Vertrauen.

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Organisatorisches

Anmeldung

Informationen zum Gebrauch des geschützten Bereichs für die Anmeldung finden Sie hier.
Bitte melden Sie sich bis bis Ende September zur Tagung und zu den Workshops an.Hinweis: Die Zahl der Teilnehmenden ist aufgrund der Kapazität der Räumlichkeiten auf 250 beschränkt.

Tagungskosten

Normaltarif: CHF 270.00
Studierendentarif: CHF 170.00 (mit Legi)

Inbegriffen sind die Kaffeepausen, der Apéro vom 27. November und das Mittagessen vom 28. November. Sie erhalten nach der erfolgten Anmeldung eine Rechnung.

Annullation

Im Falle einer Verhinderung informieren Sie uns bitte schriftlich via E-Mail events@skjv.ch.
Bitte beachten Sie, dass Ende Oktober die Kosten nicht zurückerstattet werden können.

Tagungsort

Kongresszentrum Weltpostverein

Weltpoststrasse 4
3015 Berne

Tagungssprache

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Alle Referate und die Podiumsdiskussion am Donnerstag erfolgen mit Simultanübersetzung auf Deutsch und Französisch. 
Am Mittwochnachmittag erfolgt zusätzlich im Plenum eine Simultanübersetzung vom Englischen ins Französische und Deutsche und vice-versa. Nur einige der Workshops werden mit Simultanübersetzung (Deutsch und Französisch) angeboten.

Tagungsmoderation

Dominik Büchel, advocacy ag

Unterkunft

Die Unterkunft kann hier reserviert werden:
https://bern.e-vent.online/web/Home/0D15F7D587B44C1EB76C61B0974B833F/DE

Bern Welcome
Tel. +41 (0)31 328 12 70
https://www.bern.com/de/meetings-kongresse-events

Kontakt

Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug
Avenue de Beauregard 11
1700 Freiburg
Barbara Bradi, +41 26 425 44 05
events@skjv.ch