Campus SKJV in Marly – eine Vision wird Realität
Nach Jahren der Planung und rund drei Jahren Bauzeit wurde der neue Campus des SKJV Anfang November 2025 etappenweise bezogen. Das Gebäude befindet sich auf dem Gelände des Marly Innovation Center (MIC) in Marly bei Freiburg. Die Unterrichtsräume werden ab Januar 2026 für die Aus- und Weiterbildungen der Fachpersonen im Justizvollzug genutzt.
Umsetzung eines strategischen Ziels
Mit dem neuen Standort wurde ein zentrales Ziel der SKJV-Strategie 2021–2025 umgesetzt: sämtliche Angebote des SKJV «unter einem Dach» zu vereinen und damit den interdisziplinären sowie überregionalen Austausch zwischen Teilnehmenden, Kursleitenden und Mitarbeitenden zu erleichtern.
Praxisnahe Lernumgebung
Der Campus umfasst eine Fläche von rund 2’500 m² und verfügt über sieben Kursräume, von denen zwei zu Seminarräumen umgestaltet werden können, zahlreiche Gruppen- und Sitzungsräume, Büroräumlichkeiten sowie eine Mensa.
Ein Praxisraum mit drei Übungszellen ermöglicht die realitätsnahe Simulation von Alltagssituationen im Freiheitsentzug. Kameras übertragen die Übungen live in die Unterrichtsräume und erlauben eine unmittelbare Auswertung sowie eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Ergänzend steht ein Multimedia-Raum zur Verfügung, der die Erstellung moderner audiovisueller Unterrichtsmaterialien unterstützt.
Die Schulungs- und Kursräume sind modular eingerichtet und erlauben flexible Unterrichtsformate. Gleichzeitig erleichtert die technische Infrastruktur den Einsatz digitaler Lernformen und trägt zur Förderung der digitalen Kompetenzen der Teilnehmenden im Sinne der Digitalstrategie Justizvollzug 2030 bei. Die IT-Infrastruktur des Campus SKJV wurde so konzipiert, dass überall digitale Lösungen flexibel und effizient eingesetzt werden können.
Campusumfeld
Für die Teilnehmenden steht ein Hotel direkt auf dem Gelände zur Verfügung, in dem rund 60 Zimmer für SKJV-Kurse reserviert sind.
Das Gelände des Marly Innovation Center bietet darüber hinaus verschiedene Sport- und Freizeitmöglichkeiten, darunter ein 25-Meter-Hallenbad, Fitnessräume sowie Fussball-, Tennis-, Squash- und Badmintonanlagen. Spazierwege entlang der Gérine ergänzen das Angebot. Das Mittagessen wird vom SKJV in der Mensa bereitgestellt, während für die Abendverpflegung verschiedene Angebote auf dem Gelände und in der Umgebung zur Verfügung stehen.
Projektabschluss und Ausblick
Die Bauarbeiten verliefen planmässig; die Schlüsselübergabe erfolgte im Oktober 2025. Mit dem Einzug ab November 2025 konnte das Bauprojekt erfolgreich abgeschlossen werden.
Ab 2026 wird der Campus SKJV vollständig für die Aus- und Weiterbildungen genutzt und stellt moderne, zentralisierte Ausbildungsinfrastrukturen für Fachpersonen im Justizvollzug der Schweiz bereit. Der neue Standort stärkt damit die praxisorientierte Ausbildung sowie den fachlichen Austausch für den gesamten Justizvollzug.
Forum Justizvollzug 2025 in Bern
«Ich arbeite, also bin ich? Perspektiven in den Arbeitswelten des Justizvollzugs». So lautete der Titel des achten Forums Justizvollzug, das am 19. und 20. November 2025 in der Eventfabrik in Bern stattfand. Insgesamt nahmen 308 Personen an der Tagung teil.
Arbeit und die Bedeutung der Arbeit im Justizvollzug war das übergreifende Thema der Tagung. Aus der Perspektive der strafverurteilten Personen wurde die Arbeitsintegration als zentrales Element der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zur Diskussion gestellt. Der zweite Teil der Tagung war dem Thema der Arbeit, der Arbeitszufriedenheit, der Gesundheit aus der Perspektive des Personals und der Arbeitgeber des Justizvollzugs gewidmet.
Beide Kurzfilme des Kantons Genf, die am Forum Justizvollzug gezeigt wurden, illustrieren den Weg zurück ins Arbeitsleben. Zwei strafentlassene Männer äussern sich über den hindernisreichen Weg zurück in die Arbeitswelt und darüber, wie, neben ihrer eigenen Motivation, Mikroqualifikationen bei ihrem Neustart eine Schlüsselrolle spielten.
Impressionen Forum Justizvollzug 2025
Interkulturalität im Justizvollzug
Im schweizerischen Kontext ist die kulturelle Vielfalt der inhaftierten Personen sowie der Mitarbeitenden im Justizvollzug eine alltägliche Realität. Sie stellt zugleich eine wertvolle Ressource für die berufliche Praxis dar und bringt Herausforderungen für die Institutionen mit sich. Im Jahr 2025 widmete das SKJV dieser zentralen Thematik ein Themendossier mit dem Titel «Interkulturalität im Justizvollzug».
Das Dossier analysiert die interkulturellen Herausforderungen im Straf- und Massnahmenvollzug und zeigt mögliche Handlungsansätze auf, um Vertrauen zu stärken, die interkulturellen Kompetenzen der Teams zu fördern und die Reintegration zu unterstützen. Zudem werden Voraussetzungen aufgezeigt, die den Übergang von einer blossen Multikulturalität zu einer gelebten Interkulturalität ermöglichen. Das Dossier bietet darüber hinaus einen Überblick über bestehende Weiterbildungsangebote in der Schweiz, die Fachpersonen im Justizvollzug bei der Entwicklung interkultureller Kompetenzen unterstützen.
Bildungsstrategie Justizvollzug 2033
Das Berichtsjahr 2025 war geprägt von hoher Ausbildungsaktivität, inhaltlicher Weiterentwicklung und wichtigen strukturellen Fortschritten. Im Vordergrund stand dabei auch die Bildungsstrategie Justizvollzug 2033. Der Justizvollzug steht vor vielfältigen und zunehmend rasch eintretenden Veränderungen im Umfeld, die neue Anforderungen an die Mitarbeitenden mit sich bringen.
Im Auftrag der KKJPD und in Zusammenarbeit mit der KKLJV lancierte das SKJV deshalb ein Projekt, zur strategischen Ausrichtung der Aus- und Weiterbildung im Justizvollzug bis 2033. Ziel ist es, künftige Herausforderungen zu analysieren und daraus abzuleiten, welche Kompetenzen und Bildungsformate notwendig sind, um den Justizvollzug zukunftsfähig zu gestalten. Im September 2025 wurde das Projekt mit Vertreter:innen der Konferenz der kantonalen Amtsleitenden KKLJV, der Anstaltsleitenden und Bildungsverantwortlichen der Kantone gestartet. Der Abschluss des Projekts ist für Herbst 2027 vorgesehen. Der Vorstand der KKLJV, ergänzt durch den Präsidenten des Stiftungsrates SKJV sowie den Direktors SKJV, übernimmt dabei die Rolle des Projektausschusses.
Prüfungswesen
Die erfolgreiche Anpassung der Leistungsvereinbarung mit der KKJPD für die kommende Leistungsperiode (2027 –2029) stellt den strategisch zentralen Meilenstein des Berichtjahres für die Trägerschaft [epjv] dar. In einem konstruktiven und partnerschaftlichen Prozess konnten die Leistungen, Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen der Prüfungsträgerschaft gemeinsam überprüft, geschärft und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Die angepasste Leistungsvereinbarung schafft eine stabile Grundlage für die Sicherstellung der Prüfungsqualität und stärkt die Planungssicherheit der Trägerschaft.