Aus- und Weiterbildung im Justizvollzug
Das Berichtsjahr 2025 war geprägt von einer anhaltend hohen Ausbildungsnachfrage, der gezielten Weiterentwicklung der Bildungsangebote sowie bedeutenden strukturellen Fortschritten. Strategisch steht dabei neu die Bildungsstrategie Justizvollzug 2033 im Zentrum, welche die langfristige Ausrichtung der Aus- und Weiterbildung im Justizvollzug konsequent auf die zukünftigen Anforderungen des Berufsfeldes ausrichtet und damit eine zentrale Grundlage für die nachhaltige Professionalisierung des Justizvollzugs bildet.
Mit 169 erfolgreichen Abschlüssen in der Grundausbildung und 186 Neueintritten blieb die Ausbildungsaktivität auf hohem Niveau; gleichzeitig besuchten 1618 Teilnehmende aus allen Sprachregionen Weiterbildungskurse, und 35 Personen nahmen die Führungsausbildung auf. Der anhaltend hohe Bedarf erforderte strukturelle Anpassungen, insbesondere die Erhöhung der Klassengrössen ab 2026. Diese wurde bereits im Berichtsjahr vorbereitet und in der Leistungsvereinbarung mit der KKJPD 2026–2029 verankert. Mit dem Umzug in den neuen Campus SKJV in Marly Ende 2025 wurde zudem ein bedeutender infrastruktureller Meilenstein erreicht und die Grundlage für die zukünftige Kapazitäts- und Qualitätsentwicklung geschaffen.
Inhaltlich stand die konsequente Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität und der Praxisorientierung im Vordergrund. Ausbildungsinhalte, Kompetenznachweise und Bewertungsinstrumente wurden modernisiert und durch neue praxisnahe sowie digitale Lernformate ergänzt. Gleichzeitig wurde die enge Zusammenarbeit mit den Institutionen des Freiheitsentzugs weiter gestärkt, um die Anschlussfähigkeit der Ausbildung an die berufliche Praxis nachhaltig sicherzustellen.
Auch im Bereich der Weiterbildung wurde das Angebot gezielt erweitert und stärker auf spezifische Zielgruppen ausgerichtet. Neue Formate und digitale Lernangebote fördern den institutionenübergreifenden Wissenstransfer und leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung gemeinsamer professioneller Standards im Justizvollzug.
Im Prüfungswesen lag der Fokus auf der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Insgesamt nahmen 206 Kandidatinnen und Kandidaten an den Prüfungen teil, bei weiterhin hohen Erfolgsquoten. Die Weiterentwicklung der Prüfungsinstrumente sowie die Anpassung der Leistungsvereinbarung mit der KKJPD stärken die langfristige Sicherung der Prüfungsqualität und die institutionelle Stabilität des Systems.
Insgesamt leistete das SKJV im Berichtsjahr einen zentralen Beitrag zur Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden, praxisnahen und zukunftsgerichteten Bildung im Schweizer Justizvollzug und festigte damit seine Rolle als Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug.
Grund- und Führungsausbildung
Insgesamt 169 Teilnehmende der Grundausbildung 2023 – 2025 durften im Sommer ihre Ausbildungsbestätigung entgegennehmen.
Im Sommer starteten 186 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz die Grundausbildung 2025 – 2027 mit zehn neuen Klassen im Präsenzunterricht in Freiburg. Von insgesamt zehn Klassen wurden sechs deutschsprachig und vier französisch-italienischsprachig geführt. Besonders in den Deutschschweizer Kantonen zeigt sich ein anhaltend hoher Bedarf an Ausbildungsplätzen, sämtliche sechs Klassen waren voll belegt. Das SKJV reagierte darauf und erhöhte die maximale Teilnehmendenzahl pro Klasse auf 20 Personen. Im Herbst 2025 kamen 176 Teilnehmende der Grundausbildung 2024-2026 für das zweite Ausbildungsjahr nach Freiburg. Am 19. Dezember 2025 fand schliesslich der letzte Unterrichtstag der Grundausbildung in den Räumlichkeiten in Freiburg vor dem Umzug in den neuen Campus SKJV in Marly statt.
Insgesamt haben 35 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz die Führungsausbildung 2025-2026 in Angriff genommen. Es wird je eine deutsch- und eine französischsprachige Klasse geführt.
Im Bereich der Grund- und Führungsausbildung wurden folgende Meilensteine erreicht:
- Nach der Zusammenführung der beiden Ausbildungen Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug und Führungsexpert:in Justizvollzug im Herbst 2024 in die neue Abteilung «Grund- und Führungsausbildung» erfolgte eine vertiefte Analyse und Aktualisierung der Ausbildungsinhalte und Kursunterlagen. Die Aufträge der vier Kompetenznachweise wurden überarbeitet und für deren Bewertung neue Evaluationsprotokolle mit messbaren Beurteilungskriterien entwickelt.
- In der Grundausbildung wurde neu der Leistungsnachweis 3 zum wichtigen Thema «Dynamische Sicherheit» entwickelt und erstmalig durchgeführt. Die Teilnehmenden wenden ihr Fachwissen und ihre Kompetenzen in konkreten Szenarien an, in denen Praktiker:innen die Rolle inhaftierter Personen übernehmen. Die Alltagssituationen wurden gemeinsam mit Kursleitenden und Praxiscoaches gesammelt und weiterentwickelt, um die Teilnehmenden mit möglichst realistischen Aufgabenstellungen zu konfrontieren. Dieses Projekt verdeutlicht exemplarisch, wie die gemeinsame Kompetenzvermittlung durch die Institutionen des Freiheitsentzugs, die Kantone und das SKJV erfolgreich gestaltet werden kann.
- Im vergangenen Jahr wurden für Kursleitende und Praxiscoaches verschiedene Anlässe durchgeführt. An der Konferenz der Kursleitenden standen aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie die Integration digitaler Tools in den Unterricht im Fokus. In Workshops wurden neue Anwendungen vorgestellt und diskutiert, die das Lehren und Lernen in der Grund-, Führungs- und Weiterbildung weiterentwickeln sollen. Am Austauschtag für Praxiscoaches konnten sich die Teilnehmenden in interaktiver Form über aktuelle Themen im SKJV sowie über die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit informieren. Neben Workshops zu konkreten Fragestellungen bot der Tag Raum, bewährte Methoden zu teilen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
- Im Jahr 2025 haben Mitarbeitende der Abteilung Grund- und Führungsausbildung ihr Wissen durch regelmässige praxisnahe Stages in Institutionen des Freiheitsentzugs vertieft. Mehrere Institutionen unterschiedlicher Grösse und verschiedener Haftformen in verschiedenen Kantonen wurden besucht, mit dem Ziel Abläufe, Herausforderungen und Arbeitsrealitäten vor Ort kennenzulernen und so die Ausbildungsangebote noch praxisgerechter zu gestalten.
Weiterbildung
Im Berichtsjahr konnte das bestehende und bewährte Weiterbildungsangebot gezielt durch zusätzliche, vertiefende Formate ergänzt und erfolgreich etabliert werden. Diese neuen Angebote tragen dazu bei, aktuelle Herausforderungen im Justizvollzug gezielt aufzugreifen und die Handlungskompetenzen der Mitarbeitenden weiter zu stärken.
Weiterbildungsangebot «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dialog»
Der Justizvollzug ist in weiten Teilen von männlich geprägten Arbeitskontexten bestimmt, was im beruflichen Alltag spezifische Dynamiken und Herausforderungen mit sich bringen kann. Vor diesem Hintergrund wurde das neue Weiterbildungsangebot «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dialog» entwickelt. Es bietet einen strukturierten Rahmen, um teambezogene Dynamiken zu reflektieren, gegenseitiges Verständnis zu fördern und gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze zu erarbeiten. Das eintägige Format richtet sich an weibliche und männliche Mitarbeitende gleichermassen und kann flexibel sowohl am Campus als auch direkt in den Institutionen durchgeführt werden. Die ersten Durchführungen zeigen eine hohe Akzeptanz und bestätigen den Bedarf nach solchen dialogorientierten Gefässen. Feedback zum Kurs im Originalton:
Vielen Dank für die spannende und lehrreiche Weiterbildung. Es war ein sehr spannender Tag mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten und vielen guten Alltagssituationen.
Digitales Lernpaket «Dynamische Sicherheit»
Im Berichtsjahr wurde zudem ein digitales Lernpaket zum Thema Dynamische Sicherheit entwickelt und eingeführt. Es reagiert auf den Wunsch der Teilnehmenden nach stärker praxisorientierten Lernformaten und unterstützt die Reflexion konkreter Handlungssituationen anhand filmgestützter Fallbeispiele. Durch die strukturierte Diskussion innerhalb der Institutionen fördert das Lernpaket ein gemeinsames Verständnis zentraler sicherheitsrelevanter Haltungen und Vorgehensweisen. Das digitale Angebot ergänzt die bestehenden Präsenzkurse und stärkt die nachhaltige Verankerung der Dynamischen Sicherheit im institutionellen Alltag. Das Lernpaket ist über die E-Learning-Plattform des SKJV frei zugänglich und erweitert das digitale Bildungsportfolio des SKJV gezielt.
Kursangebot für erfahrene Mitarbeitende «20plus» in der Romandie
Mit der erstmaligen Durchführung des Kurses «20plus» in der Romandie wurde ein neues Format geschaffen, das sich gezielt an sehr erfahrene Mitarbeitende richtet. Ziel ist es, deren langjährige Berufserfahrung zu würdigen, zu reflektieren und als wertvolle Ressource für die weitere berufliche Tätigkeit zu stärken. Die erste Durchführung hat auch in der Westschweiz eindrücklich gezeigt, dass solche Gefässe wesentlich zur Motivation, zur beruflichen Standortbestimmung und zur nachhaltigen Bindung erfahrener Fachpersonen beitragen. Gleichzeitig fördern sie den institutionellen Wissenserhalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Qualität im Justizvollzug.
Einer der Teilnehmenden betont die menschliche Wirkung der Erfahrung:
Ich habe dort Antworten auf existenzielle Fragen gefunden und neuen Schwung bekommen. Ich gehe mit der Überzeugung, dass meine Erfahrung eine wertvolle Stärke ist und dass ich nach wie vor einen festen Platz in meiner Einrichtung habe.
Digitale Weiterbildung der BiSt-Lehrpersonen
Seit 2025 befindet sich das Konzept zur digitalen Weiterbildung der BiSt-Lehrpersonen in Umsetzung: In Zusammenarbeit mit einem externen Partner wurden verschiedene massgeschneiderte Weiterbildungsangebote durchgeführt, die gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse der BiSt-Lehrpersonen ausgerichtet sind. Dadurch konnte eine nachhaltige und kontinuierliche Kompetenzentwicklung initiiert werden. Ziel ist, die Tablets im Unterrichtsalltag didaktisch sinnvoll und gewinnbringend einzusetzen, sodass die inhaftierten Personen im BiSt-Unterricht von einem zeitgemässen, digitalen Lernumfeld profitieren und ihre eigenen digitalen Fähigkeiten erweitern und festigen können.
BiSt-Unterrichtsqualität – ein gemeinsames Verständnis
Im Jahr 2025 wurde eine Arbeitsgruppe aus Lehrpersonen sowie Mitarbeitenden der Fachstelle BiSt eingesetzt, um in einem partizipativen Prozess ein gemeinsames Verständnis von qualitativ hochwertiger Bildung im Freiheitsentzug zu erarbeiten. Unter breiter Beteiligung aller Lehrpersonen entstand ein neues Kriterienraster mit klar definierten Indikatoren zur Evaluation des BiSt-Unterrichts. Dieses Instrument dient künftig der Selbst- und Fremdbeobachtung durch Kolleg:innen sowie durch die Regionalleitungen und wird ab 2026 systematisch eingeführt und angewendet.
Geschäftsstelle «Prüfungswesen»
Die Prüfungsträgerschaft epjv blickt auf ein intensives und vielseitiges Berichtsjahr zurück. Zentrale Schwerpunkte lagen in der Weiterentwicklung der Prüfungsinstrumente für Berufsprüfung (BP) und höhere Fachprüfung (HFP), insbesondere durch die intensivierte Zusammenarbeit mit den Prüfungsexpert:innen (PEX) für die Entwicklung und das Testen von Prüfungsfällen und -dokumenten. Damit wurde das Ziel verfolgt, eine möglichst reale Abbildung der Handlungssituationen zu gewährleisten.
Weiterentwicklung
Es wurde erstmals ein praktischer Workshop mit einigen PEX zur Vorbereitung des gesamten Materials für den Prüfungsposten «Handlungssimulation» durchgeführt. Zudem wurden die beiden schriftlichen Prüfungsteile in Bezug auf Nachvollziehbarkeit, Verständlichkeit sowie Niveau und Umfang getestet. Die Begleitung und Qualifizierung der Prüfungsexpert:innen erfolgte über obligatorische PEX-Schulungen mit dem Fokus auf die gerechte und objektive Anwendung von Bewertungskriterien sowie die Methodenkompetenz für die Durchführung und Beurteilung der Prüfungen.
Qualitätssicherung und Governance
Zur Qualitätssicherung und Governance fanden mehrere Sitzungen des Vorstands der Trägerschaft sowie die Delegiertenversammlung statt. Der Vorstand beschäftigte sich insbesondere mit den Resultaten der externen Organisationsanalyse und stellte auf dieser Basis und den Eckpunkten der Strategie den Antrag für die neue Leistungsvereinbarung mit der KKJPD. Die Qualitätssicherungskommission sowie auch die Prüfungskommission zeigen sich verantwortlich für die Festlegung und Kontrolle der Rahmenbedingungen der Prüfungssessionen
Durchführung der Prüfungen 2025
Vom 17. bis 20. März 2025 fand die höhere Fachprüfung statt. 34 Kandidat:innen bearbeiteten eine schriftliche Fallarbeit und präsentierten eine mündliche Fallstudie. Im Juni erhielten die 25 erfolgreichen Absolvent:innen im Rahmen einer feierlichen Zeremonie ihr eidgenössisches Diplom als Führungsexpert:in Justizvollzug.
Vom 26. August bis 11. September wurde die Berufsprüfungssession durchgeführt. Am ersten Tag absolvierten die 172 Kandidat:innen die beiden schriftlichen Prüfungsteile. Im Fokus des mündlich-praktischen Prüfungsteils standen Rollenspiel, Handlungssimulation und Videoanalyse – drei Posten, welche den beruflichen Alltag der Prüfungskandidat:innen praxisnah abbilden. 163 erfolgreiche Absolvent:innen konnten im Dezember anlässlich der Abschlussfeier ihre eidgenössischen Fachausweise als Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug entgegennehmen.
Weitere Aufgaben der Kommissionen
Zusätzlich wurden in den Kommissionen Gleichwertigkeitsabklärungen, Nachteilsausgleichsanträge und Rekursverfahren behandelt.
Vernetzung und Austausch
Die Vernetzung und der fachliche Austausch wurden intern unter den Kommissionen, dem Vorstand und dem SKJV gepflegt. Ebenso tauschte sich die Geschäftsstelle mit externen Stellen wie den Praxiscoaches, dem SBFI und anderen Prüfungsträgerschaften.
Die Information und Begleitung der Prüfungskandidat:innen erfolgt neben den reglementarisch zwingenden Meilensteinen auch über freiwillige Informationsanlässe zu Ausbildungsbeginn und – ende sowie während der Prüfungs-session und der Prüfungseinsichtnahmen garantiert.
Umzug und Zusammenarbeit
Ende Jahr ist auch die Geschäftsstelle «Prüfungswesen» in die neuen Räume des SKJV im Campus in Marly umgezogen. Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle schätzen die Zusammenarbeit «unter einem Dach».
Verabschiedung des Berichts «Grundlagen für eine schweizerische Anstaltsplanung»
Im Berichtsjahr 2025 verabschiedete der Vorstand der KKLJV den Bericht «Grundlagen für eine schweizerische Anstaltsplanung» am 28. Oktober. Erstmals liegt damit eine gemeinsame Grundlage für die Anstaltsplanung der drei Konkordate vor, der Anfang 2026 publiziert wird.
Die geplante Publikation besticht durch eine differenzierte Ist-Analyse auf Basis von Daten aus dem Monitoring Justizvollzug (MJV), ergänzt um eine fundierte Umfeldanalyse mit rund 30 Expert:innen-Interviews sowie statistischen Entwicklungsszenarien.
Erstmals wurden dabei auch die Kapazitäten und Belegungsraten der forensisch-psychiatrischen Kliniken sowie die Einweisungen in forensische Heime für die gesamte Schweiz erfasst. Mit der Verabschiedung dieses Berichts erfüllt das SKJV eine zentrale Anforderung der Leistungsvereinbarung 2026–2029 und legt damit die Grundlage für die künftigen strategischen Handlungsempfehlungen.
Erste schweizweite Erhebung zum Massnahmenvollzug Art. 59 StGB
Die Abteilung MJV führte 2025 im Auftrag der Kantone eine gesamtschweizerische Umfrage bei den Vollzugsbehörden zu Personen in stationären therapeutischen Massnahmen nach Art. 59 StGB durch.
Im Rahmen dieser Vollerhebung wurden Schlüsseldaten zu Vollzug, Unterbringung und zum Profil der betroffenen Personen erfasst. Damit entsteht erstmals ein gesamtschweizerischer Überblick über diese Form des Massnahmenvollzugs. Die Erhebung macht die Praxis des Massnahmenvollzugs und deren lokale Ausgestaltung sichtbar, zeigt die Herausforderungen bei der Unterbringung und der Vollzugsplanung auf und liefert eine fundierte Grundlage für die konsistente Planung und Weiterentwicklung des Massnahmenvollzugs.
Auswertung und Berichterstattung
Die Analysen der erhobenen Daten fliessen im Auftrag der KKLJV und der Strafvollzugskonkordate in verschiedene Produkte ein: Alle Kantone werden einen individuellen Bericht mit ihren Ergebnissen sowie einen Überblick über die gesamtschweizerischen Resultate in Webinaren erhalten. Die schweizweiten Daten fliessen zudem in einen Exkurs zum Grundlagenbericht für die nationale Anstaltsplanung ein. Die nationalen Auswertungen dienen der Arbeitsgruppe Massnahmenrecht der KKJPD als Zwischenbericht, um systemische Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Massnahmenrechts zu prüfen.
Systemweite Nutzung und Weiterentwicklung
Die Erarbeitung dieser Produkte ist für das Jahr 2026 geplant. Die aufbereiteten Daten ermöglichen eine umfassende Nutzung auf Systemebene und liefern wichtige Grundlagen, um den Massnahmenvollzug besser zu planen, zu steuern und weiterzuentwickeln.
Monitoring Justizvollzug (MJV) Jahreszahlen 2024
Das SKJV veröffentlichte 2025 die Kennzahlen 2024. Diese geben Auskunft über Kapazitäten, Belegungsraten und Einweisungsgründe in den 91 Schweizer Justizvollzugseinrichtungen, differenziert nach Sprachregionen sowie ergänzt durch ein eigenes Unterkapitel zu den Frauenplätzen. Ebenfalls enthalten sind Daten zu ausserhalb des Justizvollzugs geführten Einrichtungen sowie zu Platzierungen zwischen den Konkordaten.
Zentrale Erkenntnis: Im Vergleich zu den beiden Vorjahren stieg die Belegungsrate der Schweizer Justizvollzugseinrichtungen weiter an und erreichte im Jahresmittel rund 93 %, gegenüber 87 % im Jahr 2022 und 91 % im Jahr 2023. Damit wurde das Niveau von vor der Covid-19-Pandemie wieder erreicht. In mehreren Regionen hat sich die Situation hinsichtlich der Überbelegung zusätzlich verschärft.
Die Daten des Monitoring Justizvollzug dienten zudem als Grundlage für den ersten «Schweizerischen Grundlagenbericht für die Anstaltsplanung», der Anfang 2026 veröffentlicht und gemeinsam mit den drei regionalen Konkordaten erarbeitet wurde.
Fachwissen von A bis Z
Das SKJV unterhält eine kleine, öffentlich zugängliche Fachbibliothek. Die Bücher wurden im Berichtsjahr in Schachteln eingepackt und in den neuen Campus SKJV in Marly gebracht, wo 2026 die kleine Bibliothek wieder eingerichtet wird.
Aufgrund von Literaturrecherchen, und in Zusammenarbeit mit der Praxis erarbeitet das SKJV Publikationen. Die Reihentitel lauten u.a. Handbuch, Grundlagenpapier, Analyse, Merkblatt.
Update Justizvollzug
Das «Update Justizvollzug» vermittelt kompakt inspirierendes Fachwissen über Entwicklungen und Neuerungen ausserhalb des SKJV. Im Jahr 2025 erschienen zwei Ausgaben: Die erste widmete sich der Forschung im Justizvollzug, während die zweite die weltweit steigenden Inhaftierungsraten sowie die damit verbundene Überlastung von Einrichtungen thematisierte. Sämtliche Beiträge sind dreisprachig (Deutsch, Französisch und Italienisch) verfügbar.
Update Justizvollzug: Fachwissen und Best Practices aus dem In- und Ausland abonnieren:
Werkstattgespräch Forschung
Das jährliche Werkstattgespräch des SKJV für Forschende fand am 26. Mai 2025 in den Räumlichkeiten des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug SKJV in Freiburg statt. 22 Forschende aus der ganzen Schweiz tauschten sich über ihre laufenden und zukünftigen Forschungsprojekte im Bereich des Justizvollzugs aus. Neben der Vorstellung der Aktivitäten des SKJV wurden verschiedene Themen diskutiert, darunter empirische Forschung im Schweizer Justizvollzug, der Umgang mit ADHS, internationale Statistiken, aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung, das soziales Klima im Freiheitsentzug sowie Suchtfragen. Abgerundet wurde das Programm durch einen historischen Beitrag zur Organisation des Justizvollzugs im Kanton Wallis.
Förderung von Projekten und Fachaustausch
Das SKJV unterstützte von 2019-2025 mit zwei Förderinstrumenten den Fachaustausch sowie die Entwicklung innovativer Projekte. Im Falle einer Bewilligung wurden maximal zwei Beiträge von höchstens CHF 8'000.- an die Antragsstellenden ausbezahlt. Gesuche zur Unterstützung konnten jeweils bis zum 31. März oder 30. September eingereicht werden. Die Förderinstrumente werden nicht mehr angeboten. Die letzte Eingabefrist für Gesuche war der 30. September 2025. Die geförderten Projekte und Fachaustausche sind jedoch weiterhin auf der Website abrufbar.
Folgende Projekte wurden im Jahr 2025 unterstützt:
- Save the Children – Kinderfreundliche Gefängnisse
- Extramural und team72 – infoBus – aufsuchende niederschwellige Anlaufstelle für Angehörige von Inhaftierten
- Fondation vaudoise de probation (FVP) – Je VAUD la peine
Folgende Gesuche um Fachaustausch wurden 2025 bewilligt:
- Aids-Hilfe Schweiz – HIV-/STI-Prävention
- Resoz25 – Tagung zur Resozialisierung straffälliger Personen
- Bewährungshilfe St. Gallen – Romanshorner Tagung
- Konferenz Schweizerischer Gefängnisärzt:innen und Forum – Jahrestagung KSG-Forum 2026
- Universität Zürich, Kompetenzzentrum Medizin - Ethik- Recht Helvetiae (MERH) – Justizvollzug – Aktuelle Herausforderungen einer Disziplin im Spannungsfeld von Sicherheit und Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen
Neue Seite auf unserer Website: «Frauen im Justizvollzug»
Frauen stellen im schweizerischen Justizvollzug eine Minderheit dar. Um eine angemessene Betreuung sicherzustellen, ist daher eine vertiefte Kenntnis ihrer spezifischen Lebenslagen und Bedürfnisse zentral. Auf unserer Website haben wir eine neue Themenseite mit dem Titel «Frauen im Justizvollzug» veröffentlicht.
Die Seite bietet einen Überblick anhand zentraler Fakten und Zahlen, beleuchtet Themen, die bei der Begleitung inhaftierter Frauen besonders zu berücksichtigen sind, und zeigt die besonderen Herausforderungen auf, mit denen Institutionen konfrontiert sind. Zudem stellt sie die rechtlichen Grundlagen dar, die diesen Bereich prägen, und trägt dazu bei, Wissen und Sensibilität für diese Fragestellungen zu stärken.
GoodHabitz - Lernplattform
Das SKJV arbeitet neu mit GoodHabitz zusammen, einer digitalen Plattform für die Entwicklung der allgemeinen beruflichen und digitalen Kompetenzen sowie Management- und Soft-Skills.
Dank dieser Partnerschaft profitieren die Teilnehmenden der Führungsausbildung von einem breiten, zusätzlichen Angebot an interaktiven Lernformaten mit Fokus auf Themen wie Kommunikation, Leadership, Teamarbeit und Konfliktmanagement. GoodHabitz ermöglicht es ihnen, sich zeit- und ortsunabhängig neue Kompetenzen anzueignen. Das gesamte Lernangebot steht zudem auch allen Mitarbeitenden des SKJV zur Verfügung.
Netzwerk 2025
Das SKJV pflegt ein Netz an nationalen und internationalen Partnerschaften, das den Fachaustausch bereichert und die Weiterentwicklung von Bildung und Praxis im Justizvollzug nachhaltig stärkt.
Internationale Zusammenarbeit
Auf internationaler Ebene war das SKJV 2025 in verschiedenen europäischen Netzwerken aktiv vertreten. Im Februar nahm das SKJV am jährlichen EuroPris Liaison Meeting in Den Haag teil. Im Mai fand das Correctional Research Symposium in Belfast statt – eine praxisorientierte EuroPris-Fachtagung zur Justizvollzugsforschung. Im Rahmen von Studienreisen wurden Institutionen und Justizvollzugssysteme im Ausland besucht: Das SKJV war beim Besuch der KKLJV in Norwegen sowie mit dem Verein Freiheitsentzug Schweiz FES in Brüssel dabei. Das Alpenländertreffen im Rahmen der Bildung mit Vertreter:innen aus Deutschland und Österreich fand 2025 in der Schweiz statt. Im September beteiligte sich das SKJV an der EuroPris-Generalversammlung und der Konferenz der Direktor:innen der Straf- und Bewährungsvollzugsbehörden (CDPPS) in Krakau.
Die Jahreskonferenz der CEP in Wien war dem Thema geschlechtsspezifische Gewalt gewidmet. Im November besuchte eine Delegation des Bildungsbereichs die École Nationale de l’Administration Pénitentiaire ENAP in Frankreich, um den Austausch zur Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung zu vertiefen. Zudem nahm das SKJV an der Jahrestagung der EPTA in Bulgarien teil, welche den Austausch unter den europäischen Justizvollzugsschulen fördert, sowie am Kongress der Fondation Internationale Pénale et Pénitentiaire FIPP in Japan.
Nationale Fachveranstaltungen und Kooperationen
Auf nationaler Ebene beteiligte sich das SKJV an einer Reihe von Fachtagungen und -veranstaltungen. An der Jahrestagung der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Kriminologie SAK in Interlaken stand das Thema Minderheiten im Strafvollzug im Mittelpunkt. An der Gefängnismedizintagung in Neuchâtel sowie an der RESOZ-Tagung in Zürich – mit Fokus auf Jugendstraffälligkeit und forensische Psychiatrie – war das SKJV als Kooperationspartner mit Referaten vertreten. Weitere Beteiligungen erfolgten an Tagungen von FES, HIS (mit Präsentation des Projekts Smart Prison), zum Sanktionenvollzug der ZHAW sowie dem Forum Justiz & Psychiatrie in Luzern (ältere Personen im Straf- und Massnahmenvollzug). Im Rahmen eines konkordatlichen Fachaustauschs stellte das SKJV das Präventionsprojekt «Suizidalität» vor – ein Thema, das auch auf internationaler Ebene an der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention in Wiesbaden aufgegriffen wurde.
Aktualisierung des Glossars
Das Glossar des SKJV wurde überarbeitet, um zentrale Begriffe im Bereich des Straf- und Massnahmenvollzugs klarer zu definieren. Zwanzig zusätzliche Begriffe wurden in einer neuen dreisprachigen Version aufgenommen, wodurch das Glossar noch konsistenter und praxisnaher wird.
Die Überarbeitung basierte auf internen und externen Fachexpertisen. Das erweiterte Glossar dient als aktualisiertes Nachschlagewerk und passt sich künftigen Entwicklungen im Justizvollzug flexibel an.