Aktivitäten

Aktivitäten

Aus- und Weiterbildung im Justizvollzug

Das Berichtsjahr 2025 war geprägt von einer anhaltend hohen Ausbildungsnachfrage, der gezielten Weiterent­wicklung der Bildungsangebote sowie bedeutenden strukturellen Fortschritten. Strategisch steht dabei neu die Bildungs­strategie Justizvollzug 2033 im Zentrum, welche die langfristige Ausrichtung der Aus- und Weiterbil­dung im Justizvoll­zug konsequent auf die zukünftigen Anforderungen des Berufsfeldes ausrichtet und damit eine zentrale Grundlage für die nachhaltige Professionalisierung des Justizvollzugs bildet.

Mit 169 erfolgreichen Abschlüssen in der Grundausbildung und 186 Neueintritten blieb die Ausbildungsaktivität auf hohem Niveau; gleichzeitig besuchten 1618 Teilnehmende aus allen Sprachregionen Weiterbildungskurse, und 35 Per­sonen nahmen die Führungsausbildung auf. Der anhaltend hohe Bedarf erforderte strukturelle An­passungen, insbe­sondere die Erhöhung der Klassengrössen ab 2026. Diese wurde bereits im Berichtsjahr vorbe­reitet und in der Leistungsvereinbarung mit der KKJPD 2026–2029 verankert. Mit dem Umzug in den neuen Campus SKJV in Marly Ende 2025 wurde zudem ein bedeutender infrastruktureller Meilenstein erreicht und die Grundlage für die zukünftige Kapazitäts- und Qualitätsentwicklung geschaffen.

Inhaltlich stand die konsequente Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität und der Praxisorientierung im Vor­der­grund. Ausbildungsinhalte, Kompetenznachweise und Bewertungsinstrumente wurden modernisiert und durch neue praxisnahe sowie digitale Lernformate ergänzt. Gleichzeitig wurde die enge Zusammenarbeit mit den Institutionen des Freiheitsentzugs weiter gestärkt, um die Anschlussfähigkeit der Ausbildung an die beruf­liche Praxis nachhaltig sicherzustellen.

Auch im Bereich der Weiterbildung wurde das Angebot gezielt erweitert und stärker auf spezifische Ziel­gruppen aus­gerichtet. Neue Formate und digitale Lernangebote fördern den institutionenübergreifenden Wissenstransfer und leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung gemeinsamer professioneller Standards im Justizvollzug.

Im Prüfungswesen lag der Fokus auf der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Insgesamt nahmen 206 Kandidatinnen und Kandidaten an den Prüfungen teil, bei weiterhin hohen Erfolgsquoten. Die Weiterentwicklung der Prüfungsinstrumente sowie die Anpassung der Leistungsverein­barung mit der KKJPD stärken die langfristige Sicherung der Prüfungsqualität und die institutionelle Stabilität des Systems.

Insgesamt leistete das SKJV im Berichtsjahr einen zentralen Beitrag zur Sicherstellung einer qualitativ hoch­stehenden, praxisnahen und zukunftsgerichteten Bildung im Schweizer Justizvollzug und festigte damit seine Rolle als Schwei­zerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug. 

Digitale Kompetenzen werden im Unterricht gefördert (Foto: STEMUTZ)
Digitale Kompetenzen werden im Unterricht gefördert (Foto: STEMUTZ)

Grund- und Führungsausbildung

Insgesamt 169 Teilnehmende der Grundausbildung 2023 – 2025 durften im Sommer ihre Ausbildungsbe­stätigung ent­gegennehmen.

Im Sommer starteten 186 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz die Grundausbildung 2025 – 2027 mit zehn neuen Klassen im Präsenzunterricht in Freiburg. Von insgesamt zehn Klassen wurden sechs deutschsprachig und vier fran­zösisch-italienischsprachig geführt. Besonders in den Deutschschweizer Kantonen zeigt sich ein anhaltend hoher Bedarf an Ausbildungsplätzen, sämtliche sechs Klassen waren voll belegt. Das SKJV reagierte darauf und erhöhte die maximale Teilnehmendenzahl pro Klasse auf 20 Personen. Im Herbst 2025 kamen 176 Teilnehmende der Grundaus­bildung 2024-2026 für das zweite Ausbildungsjahr nach Freiburg. Am 19. Dezem­ber 2025 fand schliesslich der letzte Unterrichtstag der Grundausbildung in den Räumlichkeiten in Freiburg vor dem Umzug in den neuen Campus SKJV in Marly statt.

Insgesamt haben 35 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz die Führungsausbildung 2025-2026 in Angriff ge­nommen. Es wird je eine deutsch- und eine französischsprachige Klasse geführt.

Im Bereich der Grund- und Führungsausbildung wurden folgende Meilensteine erreicht:  

  • Nach der Zusammenführung der beiden Ausbildungen Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug und Führungs­expert:in Justizvollzug im Herbst 2024 in die neue Abteilung «Grund- und Führungsausbildung» erfolgte eine vertiefte Analyse und Aktualisierung der Ausbildungsinhalte und Kursunterlagen. Die Aufträge der vier Kom­petenznachweise wurden überarbeitet und für deren Bewertung neue Evaluationsprotokolle mit mess­baren Beurteilungskriterien entwickelt.
  • In der Grundausbildung wurde neu der Leistungsnachweis 3 zum wichtigen Thema «Dynamische Sicher­heit» ent­wickelt und erstmalig durchgeführt. Die Teilnehmenden wenden ihr Fachwissen und ihre Kompetenzen in konkre­ten Szenarien an, in denen Praktiker:innen die Rolle inhaftierter Personen überneh­men. Die Alltagssituationen wurden gemeinsam mit Kursleitenden und Praxiscoaches gesammelt und wei­terentwickelt, um die Teilnehmenden mit möglichst realistischen Aufgabenstellungen zu konfrontieren. Dieses Projekt verdeutlicht exemplarisch, wie die gemeinsame Kompetenzvermittlung durch die Institutio­nen des Freiheitsentzugs, die Kantone und das SKJV erfolgreich gestaltet werden kann.  
  • Im vergangenen Jahr wurden für Kursleitende und Praxiscoaches verschiedene Anlässe durchgeführt. An der Konferenz der Kursleitenden standen aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie die Integration digitaler Tools in den Unterricht im Fokus. In Workshops wurden neue Anwendungen vorgestellt und diskutiert, die das Lehren und Lernen in der Grund-, Führungs- und Weiterbildung weiter­entwickeln sollen. Am Austauschtag für Praxiscoaches konnten sich die Teilnehmenden in interaktiver Form über aktuelle Themen im SKJV sowie über die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit informieren. Neben Workshops zu konkreten Frage­stellungen bot der Tag Raum, bewährte Methoden zu teilen und ge­meinsam weiterzuentwickeln.
  • Im Jahr 2025 haben Mitarbeitende der Abteilung Grund- und Führungsausbildung ihr Wissen durch regel­mässige praxisnahe Stages in Institutionen des Freiheitsentzugs vertieft. Mehrere Institutionen unter­schiedlicher Grösse und verschiedener Haftformen in verschiedenen Kantonen wurden besucht, mit dem Ziel Abläufe, Herausforde­rungen und Arbeitsrealitäten vor Ort kennenzulernen und so die Ausbildungs­angebote noch praxisgerechter zu gestalten.  

Grundausbildung in Zahlen

Führungsausbildung in Zahlen

Gemeinsam Lernen (Foto: STEMUTZ)
Gemeinsam Lernen (Foto: STEMUTZ)

Weiterbildung

Im Berichtsjahr konnte das bestehende und bewährte Weiterbildungsangebot gezielt durch zusätzliche, vertie­fende Formate ergänzt und erfolgreich etabliert werden. Diese neuen Angebote tragen dazu bei, aktuelle Her­ausforderun­gen im Justizvollzug gezielt aufzugreifen und die Handlungskompetenzen der Mitarbeitenden weiter zu stärken.

Weiterbildungsangebot «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dialog»

Der Justizvollzug ist in weiten Teilen von männlich geprägten Arbeitskontexten bestimmt, was im beruflichen Alltag spezifische Dynamiken und Herausforderungen mit sich bringen kann. Vor diesem Hintergrund wurde das neue Wei­terbildungsangebot «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dialog» entwickelt. Es bietet einen strukturierten Rahmen, um teambezogene Dynamiken zu reflektieren, gegenseitiges Verständnis zu fördern und gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze zu erarbeiten. Das eintägige Format richtet sich an weibliche und männliche Mitarbeitende gleicher­massen und kann flexibel sowohl am Campus als auch direkt in den Institu­tionen durchgeführt werden. Die ersten Durchführungen zeigen eine hohe Akzeptanz und bestätigen den Be­darf nach solchen dialogorientierten Gefässen. Feedback zum Kurs im Originalton: 

Vielen Dank für die spannende und lehrreiche Weiterbildung. Es war ein sehr spannender Tag mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten und vielen guten Alltagssituationen.  

Digitales Lernpaket «Dynamische Sicherheit» 

Im Berichtsjahr wurde zudem ein digitales Lernpaket zum Thema Dynamische Sicherheit entwickelt und einge­führt. Es reagiert auf den Wunsch der Teilnehmenden nach stärker praxisorientierten Lernformaten und unter­stützt die Re­flexion konkreter Handlungssituationen anhand filmgestützter Fallbeispiele. Durch die struktu­rierte Diskussion inner­halb der Institutionen fördert das Lernpaket ein gemeinsames Verständnis zentraler sicherheitsrelevanter Haltungen und Vorgehensweisen. Das digitale Angebot ergänzt die bestehenden Präsenz­kurse und stärkt die nachhaltige Veran­kerung der Dynamischen Sicherheit im institutionellen Alltag. Das Lern­paket ist über die E-Learning-Plattform des SKJV frei zugänglich und erweitert das digitale Bildungsportfolio des SKJV gezielt. 

Kursangebot für erfahrene Mitarbeitende «20plus» in der Romandie 

Mit der erstmaligen Durchführung des Kurses «20plus» in der Romandie wurde ein neues Format geschaffen, das sich gezielt an sehr erfahrene Mitarbeitende richtet. Ziel ist es, deren langjährige Berufserfahrung zu wür­digen, zu reflek­tieren und als wertvolle Ressource für die weitere berufliche Tätigkeit zu stärken. Die erste Durchführung hat auch in der Westschweiz eindrücklich gezeigt, dass solche Gefässe wesentlich zur Motivation, zur beruflichen Standortbe­stimmung und zur nachhaltigen Bindung erfahrener Fachpersonen beitragen. Gleichzeitig fördern sie den institutio­nellen Wissenserhalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Qualität im Justizvollzug.  

Einer der Teilnehmenden betont die menschliche Wirkung der Erfahrung: 

Ich habe dort Antworten auf existenzielle Fragen gefunden und neuen Schwung bekommen. Ich gehe mit der Über­zeu­gung, dass meine Erfahrung eine wertvolle Stärke ist und dass ich nach wie vor einen festen Platz in meiner Ein­richtung habe.  

 

Aus der Weiterbildung (Foto: SKJV)
Aus der Weiterbildung (Foto: SKJV)

Digitale Weiterbildung der BiSt-Lehrpersonen

Seit 2025 befindet sich das Konzept zur digitalen Weiterbildung der BiSt-Lehrpersonen in Umsetzung: In Zu­sammen­arbeit mit einem externen Partner wurden verschiedene massgeschneiderte Weiterbildungsangebote durchgeführt, die gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse der BiSt-Lehrpersonen ausgerichtet sind. Dadurch konnte eine nachhaltige und kontinuierliche Kompetenzentwicklung initiiert werden. Ziel ist, die Tablets im Unterrichtsalltag didaktisch sinn­voll und gewinnbringend einzusetzen, sodass die inhaftierten Personen im BiSt-Unterricht von einem zeitgemässen, digitalen Lernumfeld profitieren und ihre eigenen digitalen Fähig­keiten erweitern und festigen können. 

BiSt-Unterrichtsqualität – ein gemeinsames Verständnis

Im Jahr 2025 wurde eine Arbeitsgruppe aus Lehrpersonen sowie Mitarbeitenden der Fachstelle BiSt eingesetzt, um in einem partizipativen Prozess ein gemeinsames Verständnis von qualitativ hochwertiger Bildung im Frei­heitsentzug zu erarbeiten. Unter breiter Beteiligung aller Lehrpersonen entstand ein neues Kriterienraster mit klar definierten Indika­toren zur Evaluation des BiSt-Unterrichts. Dieses Instrument dient künftig der Selbst- und Fremdbeobachtung durch Kolleg:innen sowie durch die Regionalleitungen und wird ab 2026 systematisch ein­geführt und angewendet.

BiSt in Zahlen

Geschäftsstelle «Prüfungswesen»

Die Prüfungsträgerschaft epjv blickt auf ein intensives und vielseitiges Berichtsjahr zurück. Zentrale Schwer­punkte lagen in der Weiterentwicklung der Prüfungsinstrumente für Berufsprüfung (BP) und höhere Fach­prüfung (HFP), insbesondere durch die intensivierte Zusammenarbeit mit den Prüfungsexpert:innen (PEX) für die Entwicklung und das Testen von Prüfungsfällen und -dokumenten. Damit wurde das Ziel verfolgt, eine mög­lichst reale Abbildung der Handlungssituationen zu gewährleisten.  

Weiterentwicklung

Es wurde erstmals ein praktischer Workshop mit einigen PEX zur Vorbereitung des gesamten Materials für den Prüfungsposten «Handlungssimulation» durchgeführt. Zudem wurden die beiden schriftlichen Prüfungsteile in Bezug auf Nachvollziehbarkeit, Verständlichkeit sowie Niveau und Umfang getestet. Die Begleitung und Quali­fizierung der Prüfungsexpert:innen erfolgte über obligatorische PEX-Schulungen mit dem Fokus auf die ge­rechte und objektive Anwendung von Bewertungskriterien sowie die Methodenkompetenz für die Durchfüh­rung und Beurteilung der Prüfungen.

Qualitätssicherung und Governance

Zur Qualitätssicherung und Governance fanden mehrere Sitzungen des Vorstands der Trägerschaft sowie die Delegiertenversammlung statt. Der Vorstand beschäftigte sich insbesondere mit den Resultaten der externen Organisationsanalyse und stellte auf dieser Basis und den Eckpunkten der Strategie den Antrag für die neue Leistungsvereinbarung mit der KKJPD. Die Qualitätssicherungskommission sowie auch die Prüfungskom­mission zeigen sich verantwortlich für die Festlegung und Kontrolle der Rahmenbedingungen der Prüfungs­sessionen  

Durchführung der Prüfungen 2025

Vom 17. bis 20. März 2025 fand die höhere Fachprüfung statt. 34 Kandidat:innen bearbeite­ten eine schriftliche Fallarbeit und präsentierten eine mündliche Fallstudie. Im Juni erhielten die 25 erfolg­reichen Absolvent:innen im Rahmen einer feierlichen Zeremonie ihr eidgenössisches Diplom als Führungsex­pert:in Justizvollzug.

Diplomfeier «Führungsexpert:in Justizvollzug» (Foto: SKJV)
Diplomfeier «Führungsexpert:in Justizvollzug» (Foto: SKJV)

Vom 26. August bis 11. September wurde die Berufsprüfungssession durchgeführt. Am ersten Tag absolvierten die 172 Kandidat:innen die beiden schriftlichen Prüfungsteile. Im Fokus des mündlich-praktischen Prüfungsteils standen Rollenspiel, Handlungssimulation und Videoanalyse – drei Posten, welche den beruflichen Alltag der Prüfungs­kandidat:innen praxisnah abbilden. 163 erfolgreiche Absolvent:innen konn­ten im Dezember anlässlich der Abschluss­feier ihre eidgenössischen Fachausweise als Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug entgegennehmen.

Abschlussfeier «Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug» (Foto: SKJV)
Abschlussfeier «Fachfrau/Fachmann für Justizvollzug» (Foto: SKJV)

Weitere Aufgaben der Kommissionen

Zusätzlich wurden in den Kommissionen Gleichwertigkeitsabklärungen, Nachteilsausgleichsanträge und Rekursverfahren behandelt.

Vernetzung und Austausch

Die Vernetzung und der fachliche Austausch wurden intern unter den Kommissionen, dem Vorstand und dem SKJV gepflegt. Ebenso tauschte sich die Geschäftsstelle mit externen Stellen wie den Praxiscoaches, dem SBFI und anderen Prüfungsträgerschaften.

Die Information und Begleitung der Prüfungskandidat:innen erfolgt neben den reglementarisch zwingenden Meilensteinen auch über freiwillige Informationsanlässe zu Ausbildungsbeginn und – ende sowie während der Prüfungs-session und der Prüfungseinsichtnahmen garantiert.

Umzug und Zusammenarbeit

Ende Jahr ist auch die Geschäftsstelle «Prüfungswesen» in die neuen Räume des SKJV im Campus in Marly umgezogen. Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle schätzen die Zusammenarbeit «unter einem Dach».

Verabschiedung des Berichts «Grundlagen für eine schweizerische An­staltsplanung»

Im Berichtsjahr 2025 verabschiedete der Vorstand der KKLJV den Bericht «Grundlagen für eine schweizerische Anstaltsplanung» am 28. Oktober. Erstmals liegt damit eine gemeinsame Grundlage für die Anstaltsplanung der drei Konkordate vor, der Anfang 2026 publiziert wird.  

Die geplante Publikation besticht durch eine differenzierte Ist-Analyse auf Basis von Daten aus dem Monitoring Justiz­vollzug (MJV), ergänzt um eine fundierte Umfeldanalyse mit rund 30 Expert:innen-Interviews sowie statis­tischen Ent­wicklungsszenarien.

Erstmals wurden dabei auch die Kapazitäten und Belegungsraten der forensisch-psychiatrischen Kliniken sowie die Einweisungen in forensische Heime für die gesamte Schweiz erfasst. Mit der Verabschiedung dieses Berichts erfüllt das SKJV eine zentrale Anforderung der Leistungsvereinbarung 2026–2029 und legt damit die Grundlage für die künf­tigen strategischen Handlungsempfehlungen. 

Anstaltskarte Schweiz
Anstaltskarte Schweiz

Erste schweizweite Erhebung zum Massnahmenvollzug Art. 59 StGB

Die Abteilung MJV führte 2025 im Auftrag der Kantone eine gesamtschweizerische Umfrage bei den Vollzugs­behör­den zu Personen in stationären therapeutischen Massnahmen nach Art. 59 StGB durch.  

Im Rahmen dieser Vollerhebung wurden Schlüsseldaten zu Vollzug, Unterbringung und zum Profil der betroffe­nen Personen erfasst. Damit entsteht erstmals ein gesamtschweizerischer Überblick über diese Form des Mass­nahmen­vollzugs. Die Erhebung macht die Praxis des Massnahmenvollzugs und deren lokale Ausgestaltung sichtbar, zeigt die Herausforderungen bei der Unterbringung und der Vollzugsplanung auf und liefert eine fun­dierte Grundlage für die konsistente Planung und Weiterentwicklung des Massnahmenvollzugs.

Auswertung und Berichterstattung

Die Analysen der erhobenen Daten fliessen im Auftrag der KKLJV und der Strafvollzugskonkordate in verschie­dene Produkte ein: Alle Kantone werden einen individuellen Bericht mit ihren Ergebnissen sowie einen Über­blick über die gesamtschweizerischen Resultate in Webinaren erhalten. Die schweizweiten Daten fliessen zu­dem in einen Exkurs zum Grundlagenbericht für die nationale Anstaltsplanung ein. Die nationalen Auswertun­gen dienen der Arbeitsgruppe Massnahmenrecht der KKJPD als Zwischenbericht, um systemische Möglichkei­ten zur Weiterentwicklung des Mass­nahmenrechts zu prüfen.  

Systemweite Nutzung und Weiterentwicklung

Die Erarbeitung dieser Produkte ist für das Jahr 2026 geplant. Die aufbereiteten Daten ermöglichen eine um­fassende Nutzung auf Systemebene und liefern wichtige Grundlagen, um den Massnahmenvollzug besser zu planen, zu steuern und weiterzuentwickeln. 

Monitoring Justizvollzug (MJV) Jahreszahlen 2024

Das SKJV veröffentlichte 2025 die Kennzahlen 2024. Diese geben Auskunft über Kapazitäten, Belegungsraten und Ein­weisungsgründe in den 91 Schweizer Justizvollzugseinrichtungen, differenziert nach Sprachregionen sowie ergänzt durch ein eigenes Unterkapitel zu den Frauenplätzen. Ebenfalls enthalten sind Daten zu ausserhalb des Justizvollzugs geführten Einrichtungen sowie zu Platzierungen zwischen den Konkordaten.

Zentrale Erkenntnis: Im Vergleich zu den beiden Vorjahren stieg die Belegungsrate der Schweizer Justizvollzugsein­richtungen weiter an und erreichte im Jahresmittel rund 93 %, gegenüber 87 % im Jahr 2022 und 91 % im Jahr 2023. Damit wurde das Niveau von vor der Covid-19-Pandemie wieder erreicht. In mehreren Regionen hat sich die Situation hinsichtlich der Überbelegung zusätzlich verschärft.

Die Daten des Monitoring Justizvollzug dienten zudem als Grundlage für den ersten «Schweizerischen Grundlagenbe­richt für die Anstaltsplanung», der Anfang 2026 veröffentlicht und gemeinsam mit den drei regionalen Konkordaten erarbeitet wurde. 

Fachwissen von A bis Z

Das SKJV unterhält eine kleine, öffentlich zugängliche Fachbibliothek. Die Bücher wurden im Berichtsjahr in Schach­teln eingepackt und in den neuen Campus SKJV in Marly gebracht, wo 2026 die kleine Bibliothek wieder eingerichtet wird.

Aufgrund von Literaturrecherchen, und in Zusammenarbeit mit der Praxis erarbeitet das SKJV Publikationen. Die Reihentitel lauten u.a. Handbuch, Grundlagenpapier, Analyse, Merkblatt.  

Update Justizvollzug

Das «Update Justizvollzug» vermittelt kompakt inspirierendes Fachwissen über Entwicklungen und Neuerun­gen ausserhalb des SKJV. Im Jahr 2025 erschienen zwei Ausgaben: Die erste widmete sich der Forschung im Justizvollzug, während die zweite die weltweit steigenden Inhaftierungsraten sowie die damit verbundene Überlastung von Einrich­tungen thematisierte. Sämtliche Beiträge sind dreisprachig (Deutsch, Französisch und Italienisch) verfügbar.

Update Justizvollzug: Fachwissen und Best Practices aus dem In- und Ausland abonnieren: 

Werkstattgespräch Forschung

Das jährliche Werkstattgespräch des SKJV für Forschende fand am 26. Mai 2025 in den Räumlichkeiten des Schweize­rischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug SKJV in Freiburg statt. 22 Forschende aus der ganzen Schweiz tauschten sich über ihre laufenden und zukünftigen Forschungsprojekte im Bereich des Justiz­vollzugs aus. Neben der Vorstellung der Aktivitäten des SKJV wurden verschiedene Themen diskutiert, darunter empirische Forschung im Schweizer Justizvollzug, der Umgang mit ADHS, internationale Statistiken, aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung, das soziales Klima im Freiheitsentzug sowie Suchtfragen. Abge­rundet wurde das Programm durch einen historischen Beitrag zur Organisation des Justizvollzugs im Kanton Wallis. 

Förderung von Projekten und Fachaustausch

Das SKJV unterstützte von 2019-2025 mit zwei Förderinstrumenten den Fachaustausch sowie die Entwicklung inno­vativer Projekte. Im Falle einer Bewilligung wurden maximal zwei Beiträge von höchstens CHF 8'000.- an die Antrags­stellenden ausbezahlt. Gesuche zur Unterstützung konnten jeweils bis zum 31. März oder 30. Sep­tember eingereicht werden. Die Förderinstrumente werden nicht mehr angeboten. Die letzte Eingabefrist für Gesuche war der 30. September 2025. Die geförderten Projekte und Fachaustausche sind jedoch weiterhin auf der Website abrufbar.

Folgende Projekte wurden im Jahr 2025 unterstützt:

  • Save the Children – Kinderfreundliche Gefängnisse
  • Extramural und team72 – infoBus – aufsuchende niederschwellige Anlaufstelle für Angehörige von Inhaf­tierten
  • Fondation vaudoise de probation (FVP) – Je VAUD la peine

Folgende Gesuche um Fachaustausch wurden 2025 bewilligt:

  • Aids-Hilfe Schweiz – HIV-/STI-Prävention
  • Resoz25 – Tagung zur Resozialisierung straffälliger Personen
  • Bewährungshilfe St. Gallen – Romanshorner Tagung
  • Konferenz Schweizerischer Gefängnisärzt:innen und Forum – Jahrestagung KSG-Forum 2026
  • Universität Zürich, Kompetenzzentrum Medizin - Ethik- Recht Helvetiae (MERH) – Justizvollzug – Aktuelle Heraus­forderungen einer Disziplin im Spannungsfeld von Sicherheit und Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen  

Neue Seite auf unserer Website: «Frauen im Justizvollzug»

Frauen stellen im schweizerischen Justizvollzug eine Minderheit dar. Um eine angemessene Betreuung sicher­zustellen, ist daher eine vertiefte Kenntnis ihrer spezifischen Lebenslagen und Bedürfnisse zentral. Auf unserer Website haben wir eine neue Themenseite mit dem Titel «Frauen im Justizvollzug» veröffentlicht.

Die Seite bietet einen Überblick anhand zentraler Fakten und Zahlen, beleuchtet Themen, die bei der Beglei­tung in­haftierter Frauen besonders zu berücksichtigen sind, und zeigt die besonderen Herausforderungen auf, mit denen Institutionen konfrontiert sind. Zudem stellt sie die rechtlichen Grundlagen dar, die diesen Bereich prägen, und trägt dazu bei, Wissen und Sensibilität für diese Fragestellungen zu stärken. 

GoodHabitz - Lernplattform

Das SKJV arbeitet neu mit GoodHabitz zusammen, einer digitalen Plattform für die Entwicklung der allgemei­nen beruflichen und digitalen Kompetenzen sowie Management- und Soft-Skills.

Dank dieser Partnerschaft profitieren die Teilnehmenden der Führungsausbildung von einem breiten, zusätzli­chen Angebot an interaktiven Lernformaten mit Fokus auf Themen wie Kommunikation, Leadership, Team­arbeit und Konfliktmanagement. GoodHabitz ermöglicht es ihnen, sich zeit- und ortsunabhängig neue Kompe­tenzen anzu­eignen. Das gesamte Lernangebot steht zudem auch allen Mitarbeitenden des SKJV zur Verfügung.

Netzwerk 2025

Das SKJV pflegt ein Netz an nationalen und internationalen Partnerschaften, das den Fachaustausch bereichert und die Weiterentwicklung von Bildung und Praxis im Justizvollzug nachhaltig stärkt.

Internationale Zusammenarbeit

Auf internationaler Ebene war das SKJV 2025 in verschiedenen europäischen Netzwerken aktiv vertreten. Im Februar nahm das SKJV am jährlichen EuroPris Liaison Meeting in Den Haag teil. Im Mai fand das Correctional Research Symposium in Belfast statt – eine praxisorientierte EuroPris-Fachtagung zur Justizvollzugsforschung. Im Rahmen von Studienreisen wurden Institutionen und Justizvollzugssysteme im Ausland besucht: Das SKJV war beim Besuch der KKLJV in Norwegen sowie mit dem Verein Freiheitsentzug Schweiz FES in Brüssel dabei. Das Alpenländertreffen im Rahmen der Bildung mit Vertreter:innen aus Deutschland und Österreich fand 2025 in der Schweiz statt. Im Septem­ber beteiligte sich das SKJV an der EuroPris-Generalversammlung und der Konferenz der Direktor:innen der Straf- und Bewährungsvollzugsbehörden (CDPPS) in Krakau.

Die Jahreskonferenz der CEP in Wien war dem Thema geschlechtsspezifische Gewalt gewidmet. Im November be­suchte eine Delegation des Bildungsbereichs die École Nationale de l’Administration Pénitentiaire ENAP in Frankreich, um den Austausch zur Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung zu vertiefen. Zudem nahm das SKJV an der Jahrestagung der EPTA in Bulgarien teil, welche den Austausch unter den europäischen Justizvoll­zugsschulen fördert, sowie am Kongress der Fondation Internationale Pénale et Pénitentiaire FIPP in Japan.

Nationale Fachveranstaltungen und Kooperationen

Auf nationaler Ebene beteiligte sich das SKJV an einer Reihe von Fachtagungen und -veranstaltungen. An der Jahres­tagung der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Kriminologie SAK in Interlaken stand das Thema Minder­heiten im Strafvollzug im Mittelpunkt. An der Gefängnismedizintagung in Neuchâtel sowie an der RESOZ-Tagung in Zürich – mit Fokus auf Jugendstraffälligkeit und forensische Psychiatrie – war das SKJV als Koopera­tionspartner mit Referaten vertreten. Weitere Beteiligungen erfolgten an Tagungen von FES, HIS (mit Präsen­tation des Projekts Smart Prison), zum Sanktionenvollzug der ZHAW sowie dem Forum Justiz & Psychiatrie in Luzern (ältere Personen im Straf- und Massnahmenvollzug). Im Rahmen eines konkordatlichen Fachaustauschs stellte das SKJV das Präventionsprojekt «Suizidalität» vor – ein Thema, das auch auf internationaler Ebene an der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention in Wiesbaden aufgegriffen wurde. 

Aktualisierung des Glossars

Das Glossar des SKJV wurde überarbeitet, um zentrale Begriffe im Bereich des Straf- und Massnahmenvollzugs klarer zu definieren. Zwanzig zusätzliche Begriffe wurden in einer neuen dreisprachigen Version aufgenommen, wodurch das Glossar noch konsistenter und praxisnaher wird.

Die Überarbeitung basierte auf internen und externen Fachexpertisen. Das erweiterte Glossar dient als aktuali­siertes Nachschlagewerk und passt sich künftigen Entwicklungen im Justizvollzug flexibel an.